Blue Chips

Blue Chips (Large Caps) – Aktien mit hoher Marktkapitalisierung

Annette de los Santos, 12.07.2017

Was sind Blue Chips?

Blue Chips werden insbesondere im angelsächsischen Raum auch Large Caps oder Big Caps genannt. Cap ist eine Abkürzung für market capitalization (Marktkapitalisation). Blue Chips sind große Konzerne bzw. Unternehmen, deren Marktkapitalisation 10 Mrd. US$ (USA) oder mehr beträgt. In Deutschland werden bereits Unternehmen mit einer Marktkapitalisation von 2 Mrd. € zu den Large Caps gerechnet. Die Marktkapitalisation wird folgendermaßen definiert:

Marktkapitalisation = Kurs der Aktie × Anzahl der frei am Markt handelbaren Aktien (Streubesitz)

Deshalb ändert diese Kennzahl sich permanent und es kommen auch Verschiebungen in der Rangfolge vor.

Die Marktkapitalisation ist die wesentliche Kennziffer, die über die Aufnahme von Aktien ausgewählter Unternehmen in wichtige Aktienindizes entscheidet. Daraus folgt, dass Large Caps große Unternehmen sind, die in den großen Aktienindizes wie z.B. DAX, Dow Jones oder EURO STOXX vertreten sind. Sie werden auch als Standardwerte bezeichnet.

In Deutschland sind dies z.B. SAP, Bayer, BASF, Siemens, Daimler, Deutsche Bank, Adidas und weitere 23 Unternehmen, die im DAX gelistet sind. Im EURO STOXX sind die 50 größten europäischen Unternehmen gelistet. Blue Chips aus den USA, die im Dow Jones vertreten sind, wären beispielsweise Microsoft, Johnson und Johnson, Mc Donalds und Coca Cola.

Charakteristika von Blue Chips

Blue Chips sind Unternehmen, die i.d.R. schon sehr lange im Markt vertreten sind und eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen sowohl gegen Unternehmens- als auch Wirtschaftskrisen aufweisen. Sie sind „too big to fail“. D.h. geräten sie in eine Schieflage, würden sie wegen ihrer Größe und strategischen Bedeutung mit Staatsgeldern gerettet werden, wie die Beispiele von weltweiten Großbanken in den letzten Jahren zeigen. In der Regel verfügen große Konzerne aber über hinreichende Stabilität, Kapital bzw. Rücklagen und Wachstumsstärke um Wirtschaftskrisen relativ unbeschadet zu überstehen.

Large Caps sind durch ihre verlässliche Marktpräsenz, einen hohen Bekanntheitsgrad und eine hervorragende Reputation durch solide Produktqualität und erfahrenes Management gekennzeichnet. Sie zeichnen sich durch ihre Eigenkapitalstärke und weitgehend stabile Dividendenzahlungen und transparente sowie realistische Bewertungen aus.

Welche Vorteile haben Blue Chips für Investoren?

In einem diversifizierten Portfolio, wie es gemeinhin empfohlen wird, sind Blue Chips ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Sie garantieren eine Risikobegrenzung, weil die Unternehmen ein ökonomisch gesundes Verhältnis zwischen Eigenkapital, Schulden und liquiden Mitteln aufweisen. Daher sind Blue Chips bzw. Large Caps sowohl bei wachstumsorientierten als auch bei wert-(value-)orientierten Anlegern beliebt. Positiv werden von Aktionären stabile und relativ hohe Dividendenzahlungen bewertet.

Tipp: Die Diversifikation kann auch durch ETFs, die einen Korb aus Blue Chips abbilden, erreicht werden. Es gibt hier einige Large Cap ETF, die – häufig geografisch – Schwergewichte bündeln (z.B. ComStage MSCI USA Large Cap ETF).

Welche Nachteile können Blue Chips haben?

Blue Chips bzw. Large Caps sind meist sog. defensive Titel, d.h. die Kursveränderungen halten sich meist in Grenzen. Deshalb sind sie als Schwergewichte im Depot eher für sicherheitsorientierte sowie langfristig orientierte Anleger geeignet.

Allerdings entwickeln sich bei vielen Großunternehmen auch starre, unflexible Verwaltungsstrukturen, was diese Unternehmen behäbig und unflexibel macht. Umso schwieriger ist dies, wenn die Unternehmen in Branchen mit abnehmenden Marktchancen bewegen. Nicht umsonst haben in den USA bedeutende Technologieunternehmen, wie Microsoft und Apple klassische Industrie-oder Rohstoffunternehmen in der Marktkapitalisierung längst überholt. Bei Großunternehmen kann eine schleichende Erosion ihrer wirtschaftlichen Stärke und eine abnehmende Innovationskraft auftreten.

Inzwischen haben Large Caps langfristig eine schlechtere Performance als mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften. Dies hat insbesondere mit vergleichsweise geringeren Renditen zu tun.

Worauf Sie achten sollten, bevor Sie in Blue Chips investieren

Auch sicherheits- und langfristig orientierte Anleger ihr Portfolio nicht nur auf Blue Chips ausrichten und vor allem darauf achten, welche Zukunftsaussichten die Unternehmen haben. Dazu zählen innovative Investitionen und zunehmende Diversifikation in zukunftsträchtige Branchen. Aktuell ist in Deutschland hiervon insbesondere die Automobilbranche betroffen. Innovative Branchen sind im Moment der Technologiesektor, der Gesundheitssektor sowie erneuerbare Energien und nachhaltige, umweltschonende Investitionsgüter und Produkte.

Deutsche Anleger sollten auch amerikanische Großunternehmen und solche in aufstrebenden Schwellenländern in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen. Gerade US-Unternehmen reagieren oft schneller auf Marktentwicklungen als deutsche Aktiengesellschaften. Da die Aktien von Großunternehmen oft relativ teuer sind, ist eine Depotbeimischung mit Large Caps insbesondere für Kleinanleger (Depotwert unter 100.000 €) schwierig. Allerdings gibt es auch günstige Blue Chips wie beispielsweise Lufthansa und Deutsche Bank.

Eine gute Alternative zu einmaligen Investments sind daher Sparpläne, die ein monatlich gleichbleibendes Investment bieten. Gleichzeitig kann der Anleger seinen Sparplan leichter ändern und in zukunftsorientierte Aktien investieren.

US-Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung (Blue Chip Aktien)

Aktie Kurs Marktkapitalisierung Mrd.
Apple 131,80 € 695,97
Alphabet 808,45 € 510,61
Microsoft 62,06 € 478,56
Amazon 830,85 € 400,42
Exxon 74,63 € 318,98

Stand: Mai 2017; Quelle: Boersennews.de

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