Dieses Schreiben der Rentenversicherung sollten Sie gut lesen

Artikel von Mauritius Kloft; aktualisiert am 06.09.2022

Es gibt Themen im Leben, die man gerne vor sich herschiebt. Dazu zählt auch die eigene Altersvorsorge. Um die Deutschen dennoch darauf zu stoßen, verschickt die Rentenversicherung jedes Jahr eine sogenannte Renteninformation an die Mehrzahl der Versicherten.

Dieses Schreiben sollten Sie daher nicht ignorieren und ungeöffnet im Altpapier entsorgen. Denn es enthält wichtige Informationen über die voraussichtliche Höhe Ihrer künftigen Rentenzahlung.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was alles in der jährlichen Renteninformation steht, was die Besonderheiten bei dem Schreiben sind – und was Sie mit dem Brief der Rentenversicherung machen sollten.

Was steht in der Renteninformation?

In der Renteninformation finden Sie – wie der Name vermuten lässt – alle wichtigen Informationen zur gesetzlichen Rente, also zu Ihren gesammelten Rentenansprüche, auch Anwartschaften genannt, möglichen Rentenerhöhungen, dem Rentenbeginn und Infos zur Rente wegen einer Erwerbsminderung. Die Renteninformation gibt Auskunft darüber:

  • Wie hoch Ihre Altersrente ausfallen würde, wenn Sie keine Rentenbeiträge mehr leisten würden, also die Höhe Ihrer bisherigen Rentenansprüche,
  • wie hoch Ihre Altersrente ausfallen würde, wenn Sie weiterhin so viel einzahlen wie im Durchschnitt in den vergangenen fünf Jahren und mit der Regelaltersgrenze in Rente gehen würden,
  • wie sich Ihre Rente bei einer jährlichen Rentenanpassung von 1 oder 2 % erhöhen würde,
  • wann Sie ohne Abschläge in Regelaltersrente gehen können,
  • und wie hoch Ihre Erwerbsminderungsrente ausfallen würde.

Die Angaben in der Renteninformation beziehen sich auf die Bruttorente. Von der späteren Rente müssen Sie noch Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung als auch womöglich Steuern zahlen.

Musterschreiben: So sieht Ihre Renteninformation aus

Im folgenden Musterschreiben haben wir für Sie dargestellt, welche Angaben Sie in der Renteninformation finden:

Renteninfo richtig lesen
Quellen:

Deutsche Rentenversicherung 
, Eigene Bearbeitung

Sie sollten sich nicht allein auf die Renteninformation verlassen. Denn: Die Angabe zu Ihrer voraussichtlichen Rentenhöhe ist lediglich eine Hochrechnung, die sich auch ändern kann. Zudem weist die Rentenversicherung in der Renteninformation daraufhin, dass sich eine Rentenlücke auftun könnte – und die Inflation zudem für einen Kaufkraftverlust im Alter führen könnte. Das sollten Sie bei Ihrer Altersvorsorge stets im Auge behalten.

Ihr Versicherungsverlauf entscheidet über die Rente

Grundlage für eine korrekte Rentenberechnung ist ein vollständiger Versicherungsverlauf. Das bedeutet: Sämtliche Zeiten, die für die gesetzliche Rente zählen. Das sind bei weitem nicht nur Beitragszeiten, sondern etwa auch Kindererziehungszeiten, Zeiten eines Wehr- oder Zivildienstes oder der nicht erwerbsmäßigen Pflege.

Je nachdem erhalten Sie für diese Zeiten sogenannte Rentenpunkte, auch Entgeltpunkte genannt. Diese bestimmen Ihre Rentenhöhe. Andere Zeiten können indes dafür sorgen, dass Sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen können, sprich Ihren Renteneintritt vorziehen.

Um sicherzugehen, dass Ihr Versicherungsverlauf vollständig ist, fordert Sie die Rentenversicherung spätestens mit dem 43. Lebensjahr auf, Ihr Rentenkonto zu klären und mögliche Lücken im Versicherungsverlauf zu schließen. Das Rentenkonto wird auch Versicherungskonto genannt und enthält eine Übersicht über Ihre Beitragszeiten.

Sie können sich Ihren aktuellen Versicherungsverlauf jederzeit zusenden lassen. Geben Sie bei sämtlichem Schriftverkehr mit der Rentenversicherung stets Ihre Sozialversicherungsnummer an. Diese finden Sie entweder in Ihrem Sozialversicherungsausweis oder auf früheren Schreiben einer Sozialversicherung.

Warum ist die Renteninformation so wichtig?

Weil Sie sich mit der Renteninformation ein Bild davon machen können, wie hoch Ihre künftige Rente ausfallen könnte – und wie hoch Ihre Versorgungslücke tatsächlich ist. Oftmals sind Menschen, die zum ersten Mal eine Renteninformation bekommen, zunächst überrascht oder geschockt.

Denn: Der prognostizierte Rentenbetrag dürfte sehr schmal ausfallen, weil das Gehalt im Regelfall im Laufe des Lebens steigt. Doch auch in späteren Jahren könnte Ihnen durch die Renteninformation bewusst werden, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreicht, um Ihren bisherigen Lebensstandard im Alter zu halten. Oder schlimmer noch: Sie im Ruhestand mit Ihrer gesetzlichen Rente an der Armutsgrenze liegen.

Um ein böses Erwachen zu verhindern, ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit der Altersvorsorge zu beschäftigen. Zunächst einmal müssen Sie klären, wie hoch Ihr Vorsorgebedarf ist. Sollte das feststehen, sorgen Sie am einfachsten fürs Alter vor, wenn Sie Ihr Geld breit gestreut anlegen, zum Beispiel über sogenannte ETF. Auch Immobilien können Teil Ihrer Altersvorsorge sein.

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Wann kommt die Renteninformation?

Grundsätzlich gilt: Nicht jeder, der rentenversichert ist, erhält eine Renteninformation. Diese kommt erst nach einer bestimmten Zeit.

Für die Renteninformation müssen Sie die Mindestversicherungszeit in der Rentenversicherung erfüllt haben. Diese wird auch Wartezeit genannt und liegt bei fünf Jahren. Das bedeutet: Sie müssen mindestens fünf Jahre Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben – oder durch Kindererziehung, nicht erwerbsmäßige Pflege oder auf andere Art diese Zeiten erreichen. Zudem gilt: Die erste Renteninformation bekommen Sie erst mit Ihrem 27. Lebensjahr.

Sollten die Voraussetzungen greifen, beginnt die Rentenversicherung mit dem Versand der Renteninformation. Und zwar jedes Jahr. Es ist deshalb auch entscheidend, dass Sie der Rentenversicherung mitteilen, wenn sich Ihre Adresse ändert. Bis jeder Versicherte sein Schreiben erhalten hat, kann es jedoch dauern – jeden Monat werden Zehntausende Briefe verschickt.

Was tun, wenn die Renteninformation ausbleibt?

Sollten Sie einmal keine Renteninformation zugeschickt bekommen, obwohl Ihnen eine zusteht, ist das kein Problem. Dann können Sie einfach eine Renteninformation bei der Rentenversicherung beantragen.

Das geht am einfachsten online

auf der Seite der Rentenversicherung 
. Hier müssen Sie lediglich auswählen, was für ein Dokument der Rentenversicherung Sie benötigen (in dem Fall eine Renteninformation) und Ihre Sozialversicherungsnummer als auch Ihren Namen angeben.

Renteninformation, Rentenauskunft oder Rentenbescheid: Was ist der Unterschied?

Auch wenn die Namen der Schreiben recht ähnlich klingen, stecken unterschiedliche Briefe dahinter. Ein Überblick:

Rentenauskunft

Die Rentenauskunft ist im Grunde die ausführliche Version der Renteninformation. Diese erhalten alle Versicherten mit mindestens fünf Jahren Wartezeit ab dem 55. Lebensjahr. Ihr zuständiger Rentenversicherungsträger schickt Ihnen dieses Schreiben dann alle drei Jahre bis zur Rente zu. Die Renteninformation bekommen Sie dann nicht mehr.

In der Rentenauskunft finden Sie eine Übersicht über Ihren bisherigen Versicherungsverlauf – also sämtliche Beitragszeiten. Im besten Fall haben Sie bereits Ihr Rentenkonto geklärt, sodass die Angaben auch vollständig sind (siehe oben).

Ebenso wie die Renteninformation enthält die Rentenauskunft auch Infos zur Rentenhöhe, die Sie erwarten können. Im Regelfall sollte die Zahl auch deutlich näher an der Realität sein als die Angaben aus der Renteninformation.

Die Rentenversicherung kann Ihnen die Rentenauskunft auch vor Ihrem 55. Geburtstag zusenden. In dem Fall müssen Sie jedoch einen Antrag bei Ihrem Versicherungsträger stellen und die Rentenauskunft anfordern.

Rentenbescheid

Den Rentenbescheid erhalten alle, die einen Rentenantrag gestellt haben. Im Rentenbescheid finden Sie dann sozusagen den abgeschlossenen Versicherungsverlauf sowie die Höhe Ihrer Rente. Anders als bei Renteninformation und Rentenauskunft sind die Angaben im Rentenbescheid nicht vorläufig, sondern stehen fest.

Allein: Sollte der Rentenbescheid doch eine Versicherungszeit nicht enthalten oder eine Angabe in dem Schreiben fehlerhaft sein, können Sie ihn anfechten. Innerhalb eines Monats nach Erhalt haben Sie Zeit dafür. Deshalb sollten Sie den Rentenbescheid gut überprüfen.

Es ist auch möglich, dass Ihr Rentenantrag abgelehnt wird. Das ist etwa der Fall, wenn Sie die Mindestversicherungszeit nicht erfüllen. Sollten Sie dennoch darauf pochen, dass Ihr Antrag gültig ist, können Sie schriftlich Widerspruch einlegen.

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