Wie viele Rentenpunkte Sie maximal sammeln können

Artikel von Mauritius Kloft; aktualisiert am 22.09.2022

Punkte sammeln kennen viele Deutsche etwa von Payback. Einige dagegen womöglich aus Flensburg. Dieses Punktesammeln ist aber nicht von Vorteil. Anders sieht es bei der gesetzlichen Rente aus. Hier können Sie ebenfalls – wenig verwunderlich – Rentenpunkte sammeln.

Zahlen Versicherte ihren Beitrag in die Rentenkasse, erhalten sie im Gegenzug Rentenpunkte. Die wiederum sind für die Rentenberechnung wichtig, entscheiden gar über die konkrete Rentenhöhe.

Doch wie funktioniert das genau? Und wie viele Rentenpunkte kann ich eigentlich maximal sammeln? In diesem Beitrag erfahren Sie es!

Was sind eigentlich Rentenpunkte?

Rentenpunkte, offiziell Entgeltpunkte genannt, bilden die Grundlage für die Berechnung Ihrer Rente. Auch die Grundrente ist ein Zuschlag an Rentenpunkten. Jedes Mal, wenn Sie den Rentenbeitrag zahlen beziehungsweise Ihr Arbeitgeber die Beiträge für Sie abführt, sammeln Sie Rentenpunkte. Das gilt im Regelfall also auch bei einem Minijob.

Die Höhe Ihres Einkommens und so Ihres Rentenbeitrags entscheidet dabei, wie viele Entgeltpunkte Sie erhalten. Neben der versicherungspflichtigen Arbeit gibt es aber noch mehr Möglichkeiten, Rentenpunkte zu bekommen (siehe unten).

Prüfen Sie Ihre Renteninformation oder die Rentenauskunft!

Vor Ihrem Renteneintritt rechnet die Deutsche Rentenversicherung die Rentenpunkte in Ihre Rente um. Doch bereits davor können Sie sehen, wie gut Ihr Rentenkonto gefüllt ist: In der sogenannten Renteninformation lesen Sie etwa ab, wie viele Entgeltpunkte Sie gesammelt haben und wie hoch Ihre Bruttorente voraussichtlich ausfallen wird. Diesen Brief sendet Ihnen die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr ab Ihrem 27. Lebensjahr zu – sofern Sie die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben.

Daneben erhalten Sie mit dem 43. Lebensjahr die Aufforderung zur Kontenklärung zugeschickt. Ab dem 55. Lebensjahr bekommen Sie alle drei Jahre statt der Renteninformation die ausführliche Rentenauskunft.

Doch ganz allein entscheiden die Entgeltpunkte nicht über die Rentenhöhe. So gibt es noch weitere Faktoren, die die Höhe der Rentenzahlung beeinflussen (siehe unten).

Wie erhalte ich Rentenpunkte – und wie viele bekomme ich?

Sie bekommen Rentenpunkte gutgeschrieben, wenn Sie Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Das ist der Regelfall. Wie viele Entgeltpunkte es sind, hängt von Ihrem Bruttoeinkommen ab: Verdienen Sie genau so viel wie der Durchschnitt der Deutschen, bekommen Sie genau einen Rentenpunkt. Verdienen Sie doppelt so viel oder nur die Hälfte, gibt es folglich zwei Entgeltpunkte oder eben nur einen halben.

Das Durchschnittsentgelt wird dabei jedes Jahr neu kalkuliert. Um die genaue Anzahl der Entgeltpunkte zu berechnen, müssen Sie Ihr Jahresbruttoentgelt durch das jeweils gültige Durchschnittsentgelt in dem Jahr teilen:



Jahresbruttoeinkommen


/


Durchschnittsentgelt


 = Anzahl der Entgeltpunkte


Beispiel
Das Durchschnittsentgelt im Jahr 2020 lag bei 39.167 € im Westen Deutschlands. Nehmen wir an, Sie verdienten 53.400 € im Jahr. Dann sammelten Sie 2020 genau 1,36 Rentenpunkte.

Tabelle: Durchschnittsentgelt in den Jahren 2012 bis 2022

Das Durchschnittsentgelt ist eine statistische Größe, die sich jährlich ändert:


Jahr

Alte Bundesländer

Neue Bundesländer
2022 38.901 € 37.333 €
2021 41.541 € 39.338 €
2020 39.167 € 36.605 €
2019 39.301 € 36.256 €
2018 38.212 € 33.700 €
2017 37.077 € 32.598 €
2016 36.187 € 31.701 €
2015 35.363 € 30.745 €
2014 34.514 € 29.588 €
2013 33.659 € 28.617 €
2012 33.002 € 28.003 €

Für die Jahre 2021 und 2022 sind die Zahlen vorläufig. Wir ergänzen das endgültige Durchschnittsentgelt, sobald es vorliegt.

Für diese Tätigkeiten erhalten Sie ebenfalls Rentenpunkte

Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, Entgeltpunkte zu erhalten:

Kindererziehung

Für die Erziehung Ihres Kindes oder Ihrer Kinder erhalten Sie Rentenpunkte. Wenn Ihr Kind vor 1992 geboren wurde, werden Ihnen maximal 2,5 Jahre gutgeschrieben – diese Regel ist auch als „Mütterrente“ bekannt. Bei der Geburt Ihres Kindes ab 1992 werden Ihnen 3 Jahre für die Erziehung angerechnet.

Ein Jahr Kindererziehung bringt dabei fast einen ganzen Rentenpunkt. Dabei ist es egal, ob Mutter oder Vater die Kindererziehung übernommen haben. Sie müssen sich nur einigen, wer die Kindererziehungszeit angerechnet bekommen soll. Zusätzlich zu den Rentenpunkten können Sie sich auch Kinderberücksichtigungszeiten gutschreiben lassen – diese können für die Frührente wichtig werden.

Nicht erwerbsmäßige Pflege

Wenn Sie einen Angehörigen, Bekannten oder Nachbarn nicht erwerbsmäßig pflegen, können Sie nicht nur die Zeiten sammeln, um die Wartezeit für die Regelaltersrente zu erfüllen. Womöglich erhalten Sie gar auf Ihrem Rentenkonto Entgeltpunkte dafür.

Allerdings müssen folgende Voraussetzungen greifen:

  • mindestens 10 Stunden, verteilt auf mindestens zwei Tage pro Woche
  • nebenbei nicht mehr als 30 Stunden arbeiten
  • der zu Pflegende hat mindestens Pflegegrad 2
  • Pflege in häuslicher Umgebung

Wie viele Rentenpunkte Sie erhalten, ist zudem abhängig von der Leistung der Pflegekasse – also etwa ob Sie Pflegegeld, Sachleistungen oder Kombinationsleistungen beziehen. Wie hoch der Rentenzahlbetrag für Pflege das Jahr 2021 über wäre, wenn Sie Pflegegeld erhalten, hat die Deutsche Rentenversicherung errechnet:


Pflegegrad

Rentenzahlbetrag pro Monat Westen

Rentenzahlbetrag pro Monat Osten
2 8,77 € 8,59 €
3 13,97 € 13,68 €
4 22,75 € 22,26 €
5 32,49 € 31,80 €

Versorgungsausgleich bei Scheidung

Bei einer Scheidung werden die von beiden Ehepartnern gesammelten Rentenpunkte geteilt und gleichmäßig aufgeteilt. Hat die Ehefrau etwa 15 Entgeltpunkte gesammelt, Ihr Ehemann jedoch nur 7, bekommen beide Ehepartner nach der Scheidung 11 Rentenpunkte auf ihr Rentenkonto.

Der sogenannte Versorgungsausgleich teilt jedoch nur die Entgeltpunkte auf, die Sie während der Ehe erworben haben – unberührt bleiben solche, die Sie zuvor verdient haben.

Wehr- und Zivildienst

Je nachdem wann Sie Ihren Wehrdienst oder Zivildienst absolviert haben, werden Ihnen unterschiedlich viele Rentenpunkte gutgeschrieben. Das können Sie in folgender Tabelle ablesen:


Zeitraum Wehr-/Zivildienst

Zu erhaltende Rentenpunkte
Wehrdienst bis 30. April 1961 Entgeltpunkte aus 75 % des Durchschnittsentgelts
Wehrdienst/Zivildienst vom 01. Mai 1961 bis 31. Dezember 1981 Entgeltpunkte aus 100 % des Durchschnittsentgelts
Wehrdienst/Zivildienst vom 01. Januar 1982 bis 31. Dezember 1991 Entgeltpunkte aus 75 % des Durchschnittsentgelts
Wehrdienst/Zivildienst vom 01. Januar 1992 bis 31. Dezember 1999 Entgeltpunkte aus 80 % der Bezugsgröße Ost/West
Wehrdienst/Zivildienst vom 01. Januar 2000 bis 30. Juni 2011 Entgeltpunkte aus 60 % der Bezugsgröße Ost/West
Freiwilliger zusätzlicher Zivildienst vom 01. Dezember 2010 bis 31.Dezember 2011 Entgeltpunkte aus 60 % der Bezugsgröße Ost/West
Freiwilliger Wehrdienst vom 01. Juli 2011 bis 31. Dezember 2019 Entgeltpunkte aus 60 % der Bezugsgröße Ost/West
Freiwilliger Wehrdienst seit 01. Januar 2020 Entgeltpunkte aus 80 % der Bezugsgröße Ost/West; bei Teilzeitbeschäftigung wird Prozentsatz mit Teilzeitanteil vervielfältigt

Menschen, die in der ehemaligen DDR ihren Wehrdienst bei der NVA absolviert haben, werden pro Kalenderjahr 0,75 Rentenpunkte angerechnet. Das gilt auch für den Zivildienst im Beitrittsgebiet.

Wie berechnet sich die Rente aus den Rentenpunkten?

Die Rentenberechnung ist eine etwas komplizierte Sache – doch nichts, das man nicht verstehen könnte. Grundlage für die Kalkulation der Rentenhöhe ist die sogenannte Rentenformel, die neben den Rentenpunkten aus weiteren Faktoren besteht:

Rentenhöhe = gesammelte Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert

  • Der Zugangsfaktor wird durch den Rentenzugang bestimmt. Er hängt folglich davon ab, ob Sie vor Ihrem Regelalter in Rente gehen und womöglich Abschläge in Kauf nehmen
  • Der Rentenartfaktor richtet sich hingegen nach der Rentenart. Die Altersrente erhält beispielsweise den Faktor „1“, die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung dagegen den Faktor „0,5“

Ein Rentenpunkt entspricht aktuell einem Rentenwert von 36,02 € in den alten Bundesländern und 35,52 € in den neuen Bundesländern. Der Rentenwert wird jedes Jahr zum Juli angepasst, im Regelfall wird die Bruttorente aber erhöht. Eine Rentenkürzung ist hingegen nicht möglich. Mehr Infos finden Sie in diesem Beitrag zur jährlichen Rentenanpassung.

Beachten Sie: Auf Ihre Rente müssen Sie noch Beiträge zur Krankenversicherung zahlen und womöglich auch Steuern.

Tabelle: Rentenwerte in den Jahren 2012 bis 2022


Jeweiliger Zeitraum des Rentenwerts

Alte Bundesländer

Neue Bundesländer
seit Juli 2022 36,02 € 35,52 €
Juli 2021– Juni 2022 34,19 € 33,47 €
Juli 2020 – Juni 2021 34,19 € 33,23 €
Juli 2019 – Juni 2020 33,05 € 31,89 €
Juli 2018 – Juni 2019 32,03 € 30,69 €
Juli 2017 – Juni 2018 31,03 € 29,69 €
Juli 2016 – Juni 2017 30,45 € 28,66 €
Juli 2015 – Juni 2016 29,21 € 27,05 €
Juli 2014 – Juli 2015 28,61 € 26,39 €
Juli 2013 – Juli 2014 28,14 € 25,74 €
Juli 2012 – Juni 2013 28,07 € 24,92 €
Juli 2011 – Juni 2012 27,47 € 24,37 €

Wenn sich die Rente in einem Jahr nicht erhöht hat, spricht man von einer Nullrunde. Die letzte gab es im Jahr 2021: Wegen der Corona-Krise waren die Durchschnittslöhne im Jahr 2020 eingebrochen, weshalb die Rentenerhöhung ein Jahr später ausfiel.

Wie kann ich Rentenpunkte kaufen?

Wenn Sie vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand eintreten möchten und Ihre Rentenabschläge kompensieren wollen, können Sie Rentenpunkte kaufen. So verschieben Sie leicht das Renteneintrittsalter nach vorne. Allerdings: Der Kauf von Entgeltpunkten ist in diesem Fall erst ab einem Alter von 50 Jahren möglich. Außerdem müssen Sie bereits in die gesetzliche Rente eingezahlt haben.

Wenn Sie hingegen nicht pflichtversichert in der gesetzlichen Rente sind, können Sie ebenfalls Rentenpunkte kaufen – sich also freiwillig versichern. Das ist etwa eine Möglichkeit für viele Selbstständige, Freiberufler oder Hausfrauen- und Männer und klappt bereits ab einem Alter von 16 Jahren.

Freiwillige Rentenbeiträge bekommen Sie nicht zurück

Aktuell können Sie freiwillige Beiträge zwischen 83,70 und 1.311,30 € pro Monat zahlen. Damit erhöhen Sie Ihren Rentenanspruch um rund 4 bzw. 70 € im Monat – unabhängig von Ihrem Lebensalter. Um Rentenpunkte zu kaufen, müssen Sie einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Lassen Sie sich jedoch am besten zunächst beraten. Denn: Freiwillige Ausgleichszahlungen in die Rentenkasse bekommen Sie nicht erstattet.

Ohnehin gilt: Sie sollten sich gut überlegen, wie sinnvoll es wirklich ist, Rentenpunkte zu kaufen. Womöglich bringt es Ihnen mehr, wenn Sie das Geld stattdessen anlegen. Das geht etwa breit gestreut am Aktienmarkt über sogenannte ETF. Wer lieber auf Betongold setzen möchte, kann sein Geld auch in Immobilien stecken. Leicht geht das mit digitalen Immobilieninvestments, wie BERGFÜRST sie anbietet.

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Wie viele Rentenpunkte kann ich maximal sammeln?

Tatsächlich können Sie nicht unbegrenzt Rentenpunkte sammeln, um damit Ihre gesetzliche Rente drastisch zu steigern. Die Entgeltpunkte, die Sie erwerben können, sind ab einem gewissen Jahreseinkommen gedeckelt.

Dafür sorgt die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt im Jahr 2022 im Westen bei 84.600 €, im Osten bei 81.000 €. Nur bis zu dieser Einkommenshöhe sammeln Sie Entgeltpunkte. Mit jedem Euro, den Sie mehr verdienen, erhalten Sie keine zusätzlichen Ansprüche auf die Rente.

Im Jahr 2022 können Sie bei einem Durchschnittseinkommen von 38.901 € in den alten Bundesländern und 37.333 € in den neuen Bundesländern (siehe Tabelle oben) folglich maximal 2,17 Entgeltpunkte sammeln – ganz egal, ob im Osten oder Westen Deutschlands.

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