Proptech

PropTech: Diese fünf Branchen sollten Sie kennen

Ralf Kretzschmar, 17.09.2019

Die Digitalisierung gewinnt in Deutschland in immer mehr Branchen an Momentum. Zahlreiche Startups finden und etablieren digitale Lösungen für zuvor klassisch analoge Bereiche, so etwa im Finanzsektor (FinTech) und bei Versicherungen (InsurTech). Seit einigen Jahren hat die Entwicklung auch die Immobilienwirtschaft erreicht. Der Begriff PropTech (engl. „property“ und „technology“) ist das Buzzword für die Verwendung von digitalen Technologien in diesem Sektor.

Das sind die fünf wichtigsten Branchen in der PropTech-Szene

Über 250 PropTech-Unternehmen gibt es mittlerweile schon in Deutschland und das in den verschiedensten Branchen. Erfahren Sie hier, in welchen Bereichen neue PropTechs klassische Immobilienunternehmen besonders herausfordern.

1 | Planung und Visualisierung

Bei der Planung und Visualisierung von Bauprojekten sind computergestützte Lösungen in der Immobilienwirtschaft längst nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Unternehmen bieten individualisierte Lösungen mit CAD-Programmen (eng. „computer-aided design“) an, also etwa 3D-Visualisierungen von geplanten Gebäuden.

Als neuer Trend in der Branche gelten Virtual-Reality-Simulationen, die von immer mehr PropTechs angeboten werden. Mit dieser Technologie können Projektentwickler und potenzielle Käufer dank einer VR-Brille das geplante Objekt in Echtzeit betreten. Projektentwickler und Eigentümer vermeiden dadurch gegenseitige Missverständnisse im Planungs- und Bauprozess.

Potenzielle Käufer und Mieter wiederum können die Immobilie schon sehr früh und im Detail besichtigen. Verschiedene Arrangements von Raum und Materialien werden mit der VR-Brille live erlebbar und können in Sekundenschnelle verändert werden. Sowohl die Prozesse in der Entwicklung als auch in der Vermarktung lassen sich durch Virtual Reality somit deutlich optimieren. Der Einsatz der Technologie steht in beiden Geschäftsfeldern aber noch ganz am Anfang.

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2 | Haus- und Wohnungsvermittlung

PropTechs im Bereich des Maklerwesens (wie McMakler, Maklaro oder Homeday) waren mit der Vorstellung angetreten, klassische Makler vollkommen zu ersetzen. Mittlerweile hat sich ein hybrides Geschäftsmodell durchgesetzt.

Die Kundenakquise und die Analyse von Immobilien finden hierbei digital statt. Insbesondere bei der Akquise haben die Portale aufgrund des einfachen Zugangs und der transparenten Informationen einen klaren Vorteil gegenüber der klassischen Immobilienvermittlung. Bei der Bewertung von Immobilien kommt zur Beschleunigung der Geschäftsprozesse mittlerweile auch Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz.

Die Beratung vor Ort bleibt jedoch analog – die Startups mussten sich hier auf die Kundenwünsche einstellen und von Ihrer Vorstellung einer vollständig digitalen Beratung erst einmal abrücken. Sie verfügen nun über ein breites Netzwerk von klassischen Immobilienmaklern. Je nach Geschäftsmodell sind diese entweder fest bei der jeweiligen Plattform angestellt oder die Startups vermitteln nur den Kontakt zwischen Käufern und Maklern. Der Umsatz der digitalen Makler ist im Vergleich zu den klassischen Anbietern aber immer noch gering.

3 | Smart Home

Smart Home oder Internet der Dinge: Diese Begriffe haben sich für intelligente und vernetzte Lösungen im Privathaushalt etabliert. Bekannt und beliebt geworden sind in den letzten Jahren vor allem Systeme mit Sprachsteuerung (zum Beispiel Alexa oder Siri) und auch Staubsauger-Roboter, die automatisch für Sauberkeit in der Wohnung sorgen.

Die zukünftige Vision des Smart Homes geht aber weit darüber hinaus und ist auch für Immobilienunternehmen interessant. Sie umfasst zum Beispiel die automatische Steuerung von Strom und Heizung sowie digitale Türschlösser in Privatwohnungen. Mit letzteren, den sogenannten Smart Locks, kann die Tür auch aus der Ferne für andere Personen, etwa die Post oder eine Reinigungskraft geöffnet werden.

Viele Wohnungsbesitzer zeigen sich gegenüber dieser Anwendung aufgrund der fehlenden Sicherheitsgarantie bisher aber eher skeptisch.

Weitaus praktikabler scheinen Smart Meter, also intelligente Stromzähler, zu sein. Mit ihnen lassen sich Stromfresser identifizieren und der Stromverbrauch somit signifikant senken. Bei Smart Metern wird zwischen modernen Stromzählern und intelligenten Stromzählern unterschieden. Als modern gilt ein Stromzähler dann, wenn er über ein digitales Display verfügt; als intelligent, wenn er mit dem Internet verbunden ist. In Deutschland wurde 2015 die Smart-Meter-Pflicht beschlossen: Sie besagt, dass bis 2032 jeder deutsche Stromzähler entweder intelligent oder modern sein muss.

4 | Temporäre Vermietung

Die Vermittlung von Mietzimmern und Ferienwohnungen über Online-Plattformen ist in der Immobilienbranche seit einiger Zeit etabliert. Weltweit haben Großstädte mittlerweile auch Maßnahmen ergriffen, um den häufig knappen Wohnraum zu schützen. Auch deswegen bleibt der Bereich der temporären Vermietung in Bewegung. Neue PropTechs (etwa Wunderflats oder GoLiving) bieten die kurzzeitige Vermietung von hochwertigen Wohnungen an, wodurch sich auch trotz der Mietpreisbremse hohe Mieterträge erzielen lassen. Die Anbieter möblieren die Wohnung meist nicht nur hochwertig, sondern kümmern sich auch um die Reinigung der Räume. Außerdem bieten sie ihrer Zielgruppe – mobilen Young Professionals – verschiedene Freizeitaktivitäten an.

Auch die Online-Vermietung von Büroräumen gewinnt in Deutschland an Fahrt. Besonders Coworking Spaces, also flexible Gemeinschaftsbüros, werden immer beliebter. In diesen Großraumbüros arbeiten nicht nur die Mitarbeiter eines Unternehmens, sondern es treffen ganz verschiedene Freelancer, Selbständige und kleine Startups aufeinander. Die Infrastruktur (also Tische, Stühle, WLAN und Beamer) wird dabei gestellt und kann individuell und unkompliziert den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

5 | Immobilien-Crowdinvesting

Das Immobilien-Crowdinvesting verbindet die Vorteile von FinTechs und PropTechs miteinander. Über eine Online-Plattform wie BERGFÜRST schließen sich dabei viele kleine Anleger zu einer Crowd zusammen, um in große Immobilienprojekte zu investieren.

Beim Crowdinvesting erhalten die Anleger im Gegensatz zum Crowdfunding nicht nur ein kleines Dankeschön, sondern sie werden mit einer Rendite belohnt. Investorinnen und Investoren profitieren außerdem von den geringen Anlagebeträgen ab 10 € und der dadurch möglichen Risikostreuung, da sie nicht alles auf eine Karte setzen müssen.

In Deutschland wächst das Immobilien-Crowdinvesting weiterhin sehr stark. Im ersten Halbjahr 2019 wurden 155 Mio. € von der Crowd in Immobilien investiert – ein Anstieg von 63 % im Vergleich zum Vorjahr.

Neues Wachstum steht für diese PropTechs zudem in Aussicht, da der Bundestag 2019 die bisher engen gesetzlichen Grenzen für das Crowdinvesting gelockert hat. Seit dem 15. Juli dürfen Privatanleger bis zu 25.000 € statt wie bisher 10.000 € pro Immobilienprojekt investieren. Auch für Projektentwickler haben sich die Bedingungen verbessert: Sie können nun durch Crowdinvesting bis zu 6 Mio. € und nicht wie bisher nur 2,5 Mio. € pro Immobilie finanzieren lassen.

Ausblick: Warten auf das erste europäische PropTech-Unicorn

In dieser Übersicht konnten natürlich nicht alle Branchen der PropTech-Szene vorgestellt werden. Vor allem im Bereich der Immobilienbewirtschaftung und -verwaltung gab es in den letzten Jahren ebenfalls zahlreiche Unternehmensneugründungen. Insgesamt befinden sich die meisten PropTechs in Deutschland und Europa noch in der Wachstumsphase und machen nur einen kleinen Teil der Immobilienwirtschaft aus.

Ein sogenanntes Unicorn, also ein Startup mit der Bewertung von 1 Mrd. $, fehlt in der europäischen PropTech-Branche bisher (Stand: August 2019). Und dass, obwohl mittlerweile über 80 Startups in Europa diesen Rang erreicht haben und sich zahlreiche PropTechs aus Asien und den USA bereits längst zum exklusiven Kreis der Unicorns zählen dürfen.

Als Ursache für das fehlende europäische PropTech-Unicorn gelten die verschiedenen rechtlichen und kulturellen Räume in Europa, die Unternehmen ab einer gewissen Stufe die Expansion erschweren. Wie gesehen steht die Revolution der Immobilienbranche durch die Digitalisierung in vielen Bereichen aber erst am Anfang. Wirklich durchsetzen werden sich zahlreiche Ideen wohl in den kommenden Jahren. Das erste PropTech-Unicorn in Europa ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Bild-Copyright: Zapp2Photo / shutterstock.com

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