Darum ist die Zeit der Negativzinsen zu Ende

Artikel von Ralf Kretzschmar; aktualisiert am 27.09.2022

Im November 2019 kam es zum Tabubruch im deutschen Bankenwesen: Die Volksbank Fürstenfeldbruck erhob als erste Bank
negative Zinsen ab dem ersten Cent Guthaben für Neukunden. Bisher hatten Banken nur Einlagen von über 100.000 €
belastet. Die Volksbank sendete damit ein eindeutiges Signal: Sie verzichtet auf neue Kunden, da sie keine Gewinnchancen
mit deren Kapital erkennt.

Viele Banken schlossen sich dem Vorbild an – doch im Jahr 2022 kam im Zuge der hohen Inflation die Zinswende der EZB. Was Sie zu Negativzinsen wissen sollten, lesen Sie in diesem Artikel.

Was sind Negativzinsen?

Wenn eine Bank negative Zinsen festlegt, erhalten Bankkunden kein Geld für ihre Einlagen,
sondern müssen selbst Zinsen bezahlen. In der Umgangssprache werden diese negativen Zinsen auch
Strafzinsen genannt.

Es handelt sich um eine Ausnahmesituation, die nur bei besonderen Rahmenbedingungen eintritt.
Entweder wollen Notenbanken mit den niedrigen Zinsen dafür sorgen, dass ausländische Investoren ihr Kapital abziehen
oder die Zentralbanken möchten mit diesem Mittel die Konjunktur beleben.

Warum kam es zu Negativzinsen?

Für die Negativzinsen in Europa war
hauptsächlich die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich. Deren Aufgabe ist es, für ein stabiles
Preisniveau im Euroraum zu sorgen. Deswegen schreibt die EZB eine jährliche Inflationsrate von
2 % vor.

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Die EZB möchte außerdem die europäische Konjunktur stärken. Mit einem niedrigen
Leitzins der EZB können Banken günstige Kredite anbieten. Damit sollen Investitionen von Unternehmen und der Konsum von Verbrauchern günstiger sowie attraktiver und Ausgaben letztendlich gesteigert werden. Sowohl Inflationsrate als auch Konjunkturdaten waren nach Vorstellungen der EZB seit einigen Jahren aber zu gering. Deswegen senkte die EZB im März 2016 den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,00 %. Sogar noch niedriger als der Leitzins lag der sogenannte Einlagezins. Es handelt sich um den Zins, den die Geschäftsbanken zahlen müssen, um bei der EZB kurzfristig Geld anzulegen. Dieser lag seit Juni 2014 im Minusbereich und betrug lange Zeit -0,5 %. Weil die Inflation im Zuge des Ukraine-Krieges stark anstieg, reagierte die EZB und leitete eine Zinswende ein.

Entwicklung von EZB-Leitzins und Einlagezins (2008-2022)

Darum mussten Verbraucher Strafzinsen zahlen

In der Regel zahlen Banken den Verbrauchern für ihr angelegtes Geld Zinsen. Dies wird dadurch möglich, dass sie das
angelegte Geld zu einem höheren Zins als Kredit weiterverleihen. Der langjährige Nullzins der EZB haben
dieses Geschäftsmodell jedoch zunichte gemacht, da Kredite wegen ihm sehr günstig wurden. Die Kosten für negative Zinsen, so
argumentieren die Geschäftsbanken, mussten an die Privatkunden weitergereicht werden. Dies war zum einen durch
Kontoführungsgebühren der Fall oder eben auch durch Negativzinsen, die von den Banken als
Verwahrentgelt bezeichnet werden.

In Folge der EZB-Nullzinspolitik sanken in vielen europäischen Staaten auch die Zinsen für
Staatsanleihen. Die Rendite für deutsche Staatsanleihen lag deswegen in den vergangenen Jahren
immer wieder im negativen Bereich. Im Sommer 2019 sind sogar die Zinsen für 30-jährigen
Bundesanleihen erstmals in der deutschen
Geschichte unter null Prozent gefallen. Im Zuge der Zinswende steigen jedoch auch hier die Renditen wieder.

Wie lange wird es noch Negativzinsen geben?

Nicht mehr lange. Wegen der hohen Inflation kam es im Sommer 2022 zur Zinswende: Die EZB änderte ihre Geldpolitik und hob den Leitzins an. Schon vorher kündigten viele Banken an, den Negativzins im Falle einer Zinswende zu kippen. Doch das Zinsniveau ist immer noch niedrig, Sparanlagen lohnen sich weiterhin nicht.

Auch wenn die Negativzinsen bald Geschichte sein dürften, sind immer noch Verfahren dazu anhängig. Juristisch sind Fragen rund um Negativzinsen für Verbraucher umstritten, da noch keine Urteile in einer
höheren Instanz als einem Landgericht gefällt wurden.

Renditestarke Alternativen zu Sparprodukten

Trotz Zinswende trifft werfen
klassische Geldanlagen wie Sparbuch oder Tagesgeld kaum noch Zinsen ab.
In den aktuellen Zeiten ist es für Sparer deswegen ratsam, nicht zu viel Geld auf einem Tagesgeldkonto zu
lagern. Als Faustregel werden für Verbraucher nicht mehr als etwa drei Monatsgehälter als sogenannter „Notgroschen“ auf einem Tagesgeldkonto empfohlen. Eine etwas
höhere Rendite bietet noch eine
Termingeldanlage wie das Festgeld, wobei das angelegte
Kapital für einen längeren, festgelegten Zeitraum nicht verfügbar ist. Doch auch mit Festgeld lässt sich die
Inflationsrate kaum ausgleichen.

Aktien

Wer negative Realzinsen meiden möchte, muss sich deshalb nach
risikoreichen und renditestarken Anlagen umblicken. Der Klassiker für eine Anlage mit hoher Rendite
sind dabei Aktien. Da diese allerdings hohen
Wertschwankungen unterliegen, zeigen sich deutsche Anleger weiterhin sehr skeptisch gegenüber dieser Anlageform. Um das
Risiko zu streuen bieten sich sogenannte
Aktienindexfonds bzw. ETFs an. Dabei handelt es sich um
börsennotierte Fonds, die einen bestimmten Aktienindex
nachbilden, wie beispielsweise den Deutschen Aktienindex (DAX).
Die Verwaltungskosten von ETFs sind zudem verhältnismäßig gering.

Immobilien-Crowdinvesting

Eine neue Investitionsform stellt das Crowdinvesting in
Immobilien dar. Dabei schließt sich eine große Gruppe von Kleinanlegern über eine Online-Plattform zusammen, um
gemeinsam in Immobilienprojekte zu investieren. Auch hier kann das Risiko gestreut werden, indem die Anleger in
verschiedene Objekte investieren. Die Risikostreuung gestaltet sich mit von
BERGFÜRST vermittelten Anlagemöglichkeiten
aufgrund des geringen Mindestanlagevolumens von 10 € besonders einfach. Im Gegensatz zu einem Investment in Aktien
erhalten Anleger auf Anlagemöglichkeiten, die von BERGFÜRST vermittelt werden, einen
festen Zinssatz von 5,0 % bis
7,0 % p.a. Außerdem fallen für Anleger keine Verwaltungsgebühren für das Investment an. Die Laufzeiten
betragen je nach Immobilienprojekt zwischen einem und fünf Jahren. Das Immobilien-Crowdinvesting stellt somit eine
attraktive Alternative dar.

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