Crowdinvesting Steuern

Vier Fragen zu Crowdinvesting und Steuern

Lana Iliev, 09.03.2021

Die abgeänderte Frist zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung bleibt bestehen: Seit der Steuererklärung für das Jahr 2018 muss sie erst am 31. Juli des Folgejahres eingereicht werden.

Das bedeutet, die Steuererklärung für 2020 muss am 31. Juli 2021 beim zuständigen Finanzamt vorliegen. Damit haben Steuerzahler erneut zwei Monate länger Zeit, ihre Steuererklärung einzureichen.

Grundsätzlich lohnt es sich eigentlich immer, eine Steuererklärung einzureichen, auch wenn Sie nicht dazu verpflichtet sind. Häufig können steuermindernde Umstände geltend gemacht werden und das Finanzamt ist verpflichtet, Ihnen bei berechtigtem Anspruch Geld zurückzuerstatten.

Auch Kapitalerträge, also Gewinne aus Geldanlagen, werden versteuert und sind damit ein Bestandteil der Steuererklärung. Sie sind in der Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) aufzuführen.

Lesen Sie im Folgenden, wie Ihre Crowdinvestments steuerlich behandelt werden und welche Besonderheiten Sie beachten müssen.

Diese Informationen stellen keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Bei Fragen zu Ihrer Einkommensteuererklärung oder sonstigen steuerlichen Themen wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an Ihr Finanzamt.

1 | Wie werden Kapitalerträge beim Crowdinvesting steuerlich behandelt?

Zins- und Gewinneinnahmen, die mit Investitionen in Crowdinvesting-Projekte erwirtschaftet werden, müssen versteuert werden, denn sie werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen eingestuft.

Dabei unterliegen sie, ebenso wie anderweitige Zinseinnahmen, Dividendenausschüttungen oder Gewinne aus Aktien- oder Fondsverkäufen, der Abgeltungssteuer. Diese wird auch als Kapitalertragssteuer bezeichnet.

Umgangssprachlich wird die Abgeltungssteuer zudem als Quellensteuer bezeichnet. Der Grund dafür ist, dass sie nicht durch den Anleger, sondern durch das zuständige Finanzinstitut „an der Quelle“ abgeführt wird.

Bei BERGFÜRST wird die Abgeltungssteuer meist automatisch abgeführt.

Darüber hinaus werden mit der Kapitalertragssteuer der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer bei den Zinszahlungen direkt abgeführt.

Die Besteuerung von Crowdinvesting-Erträgen – das können Zinsen, Projektgewinne oder ggf. Bonuszinszahlungen sein – setzt sich somit wie folgt zusammen:


Steuer

Steuersatz
Abgeltungssteuer 25 %
Solidaritätszuschlag 5,5 % (auf 25 %, also 1,38 %)
ggf. Kirchensteuer 8 % bis 9 %

effektive Steuerlast

26,375 % bis 27,99 %

Steuerbeispiel

  • Angenommen ein Anleger investiert 20.000 € in unterschiedliche Immobilienprojekte auf der BERGFÜRST Plattform und erhält durchschnittlich 7,0 % Zinsen pro Jahr. Das entspricht insgesamt 1.400 € Zinsen pro Jahr.

  • Abzüglich des Freibetrags von 801 €, der nicht zu versteuern ist, ergibt sich damit ein zu versteuernder Gewinn von 599 €, sofern keine weiteren Kapitalerträge aus anderen Anlagen erwirtschaftet wurden.

  • Angenommen der Anleger unterliegt nicht der Kirchensteuer, so beträgt die Höhe der zu entrichtenden Steuer 157,99 € (26,375 % von 599 €).

Warum möchten Sie Geld anlegen?

2 | Kann ich Verluste steuerlich geltend machen?

Verluste aus privaten Darlehen, wie Crowdinvesting-Anlagen, lassen sich steuerlich geltend machen und mit Erträgen aus anderen Investitionen verrechnen. Das entschied der Bundesfinanzhof am 24. Oktober 2017.

Gewinne und Verluste aus Kapitalerträgen sind gesammelt im Rahmen der Einkommenssteuererklärung in der Anlage KAP einzutragen.

Die Steuerlast berechnet sich aus den gesamten Gewinnen abzüglich der realisierten Verluste, die innerhalb eines Kalenderjahres erzielt werden. Verluste verringern den zu versteuernden Betrag und damit letztendlich auch die zu zahlenden Steuern.

Beispielrechnung

  • Angenommen ein Privatanleger realisiert Gewinne aus Kapitalerträgen von insgesamt 6.000 €. Der Anleger unterliegt nicht der Kirchensteuer und hat den ihm zustehenden Freibetrag bereits für ein anderweitiges Investment geltend gemacht. So ist er verpflichtet 1.582,80 € (26,375 % von 6.000 €) Steuern auf seinen Gewinn zu zahlen.

  • Im Beispiel wird unterstellt, dass der Privatanleger innerhalb des gleichen Zeitraums Verluste aus Kapitalerträgen in Höhe von 2.000 € verzeichnet. Der Gewinn kann nun durch den Verlust bereinigt werden, sodass sich der Gesamtbetrag der tatsächlich realisierten Gewinne auf 4.000 € verringert.

  • Damit beträgt die tatsächlich zu entrichtende Steuer lediglich 1.055,20 € (26,375 % von 4.000 €).

  • Da der zu hoch angesetzte Betrag als Quellensteuer jedoch bereits an das Finanzamt abgeführt wurde, muss das zuständige Finanzamt nun den Betrag in Höhe von 527,60 € erstatten.


Beträge

zu entrichtender Betrag
Gewinn 6.000 € 1.582,80 €
Verlust 2.000 € -527,60 €

tatsächlich realisierter Gewinn

4.000 €

1.055,20 €

3 | Was ist zu beachten, wenn ich in Projekte außerhalb Deutschlands investiere?

Beim Crowdinvesting in Immobilien ausländischer Immobiliengesellschaften gibt es einiges zu beachten. Anders als bei der automatischen Steuerabführung für Zinszahlungen bei Inlandsimmobilien, unterliegen die Einnahmen hier der Erklärungspflicht des Anlegers. Das bedeutet, erwirtschaftete Zinsen müssen in diesem Fall unbedingt vom Anleger selbst in der jährlichen Steuererklärung angegeben werden, um die Abgeltungssteuer nachzuholen.

Erträge, die durch Crowdinvesting in Immobilienprojekte ausländischer Immobiliengesellschaften realisiert werden, sind stets in der Steuererklärung anzugeben.

Im Detail

Investieren Sie auf BERGFÜRST in Angebote nicht-deutscher Immobiliengesellschaften, wie beispielsweise Santanyi Mallorca oder Wien – Manner Villa, gestaltet sich die steuerliche Situation wie folgt: Im Ausland erwirtschaftete Kapitalerträge deutscher Anleger unterliegen ebenso der Abgeltungssteuer, wie im Inland erwirtschaftete Erträge.

Ausländische Immobiliengesellschaften unterliegen nicht der deutschen Steuergesetzgebung und führen auch keine Kapitalertragssteuer an deutsche Finanzämter ab. Folglich werden mit Angeboten ausländischer Projektgesellschaften erwirtschaftete Kapitalerträge unversteuert an die Anleger ausgezahlt.

Steuerpflichtige Anleger sind stets verpflichtet, realisierte Gewinne durch Crowdinvesting-Projekte mit ausländischen Immobiliengesellschaften selbst in ihrer Steuererklärung (Anlage KAP) anzugeben und nachträglich zu versteuern. Dazu erhalten Anleger auf BERGFÜRST zu Beginn des Folgejahres eine elektronische Steuerbescheinigung in ihrem persönlichen Postfach auf BERGFÜRST. Auf Grundlage dieser Bescheinigung können Erstattungsmöglichkeiten durch einen Steuerberater geprüft werden.

Investieren Sie in ein Projekt, dass im Ausland von einer deutschen Immobiliengesellschaft umgesetzt wird, werden Ihre Steuern wiederum automatisch abgeführt.

4 | Wie unterstützt BERGFÜRST seine Anleger beim Steuerthema?

Da Steuern meist als lästiges Thema empfunden werden, versucht BERGFÜRST seine Anleger bestmöglich zu unterstützen. Auf folgende Serviceleistungen können Sie sich daher stets verlassen.

Transaktionsausweis

BERGFÜRST erstellt Ihnen jährlich einen Transaktionsausweis: Eine detaillierte Übersicht über die von Ihnen getätigten Transaktionen sowie realisierten Gewinne innerhalb eines Kalenderjahres. Dabei werden sowohl Transaktionen im Rahmen eines öffentlichen Angebots, als auch auf dem Sekundärmarkt („Handelsplatz“) berücksichtigt.

Der Transaktionsausweis ist so etwas wie ein „Spickzettel“ für Sie. Um ihn als Nachweis bei Ihrem Finanzamt einreichen zu können, müssen Sie ergänzend die entsprechenden Kontoauszüge anfügen, welche die tatsächlich erfolgten Ein- und Auszahlungen belegen.

Automatische Steuerabführung

Da es sich bei der Abgeltungssteuer um eine Quellensteuer handelt, wird sie meist direkt durch das zuständige Kreditinstitut abgeführt. Auch BERGFÜRST bietet Anlegern diesen Service. Sie müssen sich nicht selbst um die gesetzeskonforme Abführung der Abgeltungssteuer kümmern.

Eine Auflistung der abgeführten Beträge des vergangenen Jahres wird Ihnen in der Regel bis Ende Februar eines jeden Jahres als Postfachnachricht zugeschickt.

Leider ist die automatische Steuerabführung nicht in allen Fällen möglich. Folgende Sachverhalte bilden hier Ausnahmen:


  1. Realisierte Kursgewinne und -verluste durch Privatkäufe oder -verkäufe auf dem Sekundärmarkt („Handelsplatz“)

    • BERGFÜRST stellt mit dem Sekundärmarkt lediglich die Infrastruktur für die Transaktion zwischen privaten Käufern und Verkäufern zur Verfügung. Ähnlich einem Schwarzen Brett laufen die Finanztransaktionen außerhalb von BERGFÜRST ab. Die Plattform verfügt nicht über die Daten zu den letztendlich ausgehandelten und gezahlten Preisen. Aus diesem Grund ist es auf dem Sekundärmarkt nicht möglich, Steuern automatisch einzubehalten oder einen Steuernachweis zu erstellen.

    • Dennoch müssen Kursgewinne und können Kursverluste steuerlich geltend gemacht werden. Nutzen Sie als Nachweis Kontoauszüge, aus denen die Kauf- bzw. Verkaufsbeträge hervorgehen.


  2. Zinseinnahmen im Rahmen von Transaktionen über den Sekundärmarkt

    • Bei dem Erwerb bzw. Verkauf von Beteiligungen über den Sekundärmarkt ergibt sich ein weiteres Steuerproblem. Für die Kapitalerträge, die aus den veräußerten oder erworbenen Beteiligungen entstehen, gilt prinzipiell: Der Verkäufer ist bis zum Kaufdatum steuerpflichtig, während der Käufer ab dem Kaufdatum steuerpflichtig ist.

    • Werden Käufe zwischen zwei Zinszahlungen (in der Regel am 30.06. oder 31.12.) getätigt, ergibt sich daraus das Problem, dass der Käufer für die gesamte Zinsperiode steuerlich belastet wird. Der Käufer wird bis zum nächsten Zinssausschüttungstermin für die gesamte Zinsperiode besteuert. Auch wenn dieser hier nur teilweise steuerpflichtig ist.*

    • Damit wird der Käufer steuerlich stärker belastet, als er es sollte. Diese übermäßig gezahlten Steuern können jedoch über die Einkommenssteuer zurückgefordert werden.

    • Der Verkäufer ist hingegen verpflichtet den Bruttozinsertrag im Rahmen seiner persönlichen Einkommensteuererklärung anzugeben. Der Bruttozinsertrag ist auf dem Transaktionsausweis auf BERGFÜRST ausgewiesen.


  3. Zinserträge aus Projekten ausländischer Immobiliengesellschaften

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in den FAQs.

Freistellungsauftrag

Jedem Anleger steht der sogenannte Sparerpauschbetrag zu, ein jährlicher Freibetrag auf Kapitalerträge, der nicht versteuert werden muss. Momentan beträgt er 801 € pro Person, bzw. 1.602 € für Eheleute.

Damit der Ihnen zustehende Freibetrag nicht automatisch abgeführt wird, können Sie auf der BERGFÜRST Plattform bequem online einen Freistellungsauftrag (FSA) einrichten. Haben Sie einen solchen erteilt, werden lediglich die Erträge versteuert, die oberhalb der von Ihnen erteilten Grenze liegen.

Folgendes gibt es hier zu beachten:

  • Damit Ihr Freistellungsauftrag auf BERGFÜRST berücksichtigt werden kann, muss er bis zu 14 Tage vor dem Fälligkeitstermin der jeweiligen Zinszahlung hinterlegt sein.
  • Nur möglich für inländische Projekte.
  • Pro Projekt muss ein eigener Auftrag erstellt werden.
  • Die Gesamtheit der Freistellungsaufträge darf den Sparerpauschbetrag von 801 € nicht übersteigen. Beachten Sie dabei auch Aufträge, die Sie bei anderen Kreditinstituten erteilt haben.
  • Bei BERGFÜRST ist die Erteilung eines Freistellungsauftrags nur für Einzelpersonen möglich, nicht für Ehepartner.
  • Freistellungsaufträge können nicht rückwirkend für ein abgeschlossenes Kalenderjahr oder bereits gezahlte Zinsbeträge angerechnet werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in den FAQs.

Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung)

Verfügen Sie über eine Nichtveranlagungsbescheinigung und sind damit aufgrund Ihres geringen Einkommens nicht steuerpflichtig, können Sie diese im Original bei BERGFÜRST einreichen. Innerhalb des ausgewiesenen Gültigkeitszeitraums der Bescheinigung werden Sie von der automatischen Besteuerung inländischer Projekte freigestellt.

Bitte beachten Sie, dass die Nichtveranlagungsbescheinigung während dieses Zeitraums im Original bei BERGFÜRST verbleiben muss.

* Bei Anlagemöglichkeiten, bei denen eine endfällige Zinszahlung ausgewiesen ist, stellt es sich etwas anders dar: In diesem Fall müssen die seit Zuteilung der Anlage in den Bestand des Verkäuers aufgelaufenen Zinsen vom Käufer beglichen werden. Die Immobiliengesellschaft zahlt die Zinsen für die gesamte Laufzeit dann endfällig, zusammen mit dem rückzuführenden Darlehen, an den Käufer aus.

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