Gehalt für die Rente umwandeln und Steuern sparen – so geht’s

Artikel von Mauritius Kloft; aktualisiert am 06.09.2022

Wenn Ihr Chef Ihnen etwas Gutes tun will, kann er Ihnen das Gehalt erhöhen. Oder er legt Geld für Sie an. Der Vorteil für den Arbeitgeber liegt auf der Hand: Er bindet Mitarbeiter an das Unternehmen. Dafür bekommen Arbeitnehmer im Alter eine Betriebsrente gezahlt.

Doch selbst wenn der Arbeitgeber nicht für Sie investiert, können Angestellte betrieblich vorsorgen – und einen Teil ihres Gehalts direkt in Beiträge an die Betriebsrentenkasse umwandeln. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie diese Entgeltumwandlung funktioniert und wann sie für Arbeitnehmer sinnvoll sein kann.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung?

Die Entgeltumwandlung, auch Gehaltsumwandlung genannt, ist das zentrale Instrument bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Einen Teil Ihres Bruttoeinkommens wandeln Sie in Beiträge zur Betriebsrente um, die Ihr Arbeitgeber in die Altersversorgung steckt. Im Fachjargon spricht man von Entgeltbestandteilen, die Sie umwandeln. In der Konsequenz bedeutet das: Ihr Arbeitgeber überweist Ihnen jeden Monat ein geringeres Nettogehalt.

Zusätzlich muss der Arbeitgeber laut Betriebsrentengesetz (BetrAVG) mindestens 15 % Zuschuss Ihres Beitrags aus der Entgeltumwandlung in die Betriebsrente stecken. Das gilt aber nur bei den Durchführungswegen Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds. Bei den beiden anderen Durchführungswegen Unterstützungskasse und Direktzusage gibt es keinen Anspruch darauf. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge.

Bei Entgeltumwandlung Lohnsteuern und Sozialabgaben sparen

Der Vorteil der Gehaltsumwandlung für Sie als Arbeitnehmer: Die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge sind bis zu einer gewissen Grenze für Sie steuerfrei. Seit 2018 liegt der steuerfreie Höchstbetrag bei 8 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung im Westen, also im Jahr 2022 8 % von 84.600 €. Das heißt: Bis zu einem Höchstbetrag von 6.768 € im Jahr oder 564 € im Monat können Sie steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt im Regelfall jährlich an.

Bei manchen Durchführungswegen sind ohnehin sämtliche Beiträge steuerfrei. Die Steuerfreigrenze greift nur bei den Varianten Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung. Die Beiträge zur Unterstützungskasse und Direktzusage sind voll steuerfrei, hier entfällt aber der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss.

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Jetzt Anlegertest machen

Doch nicht nur Steuern sparen Arbeitnehmer durch die Entgeltumwandlung. Auch die Sozialversicherungsbeiträge verringern sich. 4 % der Beitragsbemessungsgrenze im Westen sind sozialabgabenfrei. Das entspricht im Jahr 2022 einem Betrag von 3.384 €, oder 282 € im Monat. Ihr Arbeitgeber spart durch die Gehaltsumwandlung im Regelfall ungefähr 15 % an Sozialabgaben. Sollte das nicht der Fall sein, muss er laut Betriebsrentengesetz (§1a BetrAVG) auch keinen Zuschuss zahlen.

Beachten Sie: Durch die Entgeltumwandlung verringert sich Ihre gesetzliche Rente sowie das Kranken- und Arbeitslosengeld (siehe unten). Schließlich zahlen Sie auf weniger Bruttoeinkommen Sozialabgaben.

Allerdings gibt es bei der Bruttoentgeltumwandlung einen Mindestbeitrag: So müssen Sie 2022 jeden Monat mindestens 20,56 € oder im Jahr 246,75 € Ihres Bruttogehalts umwandeln. Die Höhe des Mindestbeitrags richtet sich nach der sogenannten Bezugsgröße. Diese entspricht dem Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem vorvergangenen Kalenderjahr.

Die Rentenansprüche, Anwartschaften genannt, die Sie durch die Entgeltumwandlung sammeln, sind sofort unverfallbar. Das bedeutet, Sie haben in jedem Fall einen Anspruch darauf, auch wenn Sie den Arbeitgeber wechseln.

Unterschied zwischen Netto- und Bruttoentgeltumwandlung

Neben der klassischen Bruttoentgeltumwandlung gibt es noch einen zweiten, unbekannteren Weg, betrieblich vorzusorgen: die sogenannte Nettoentgeltumwandlung. Dabei gehen, wie der Name vermuten lässt, vom Nettogehalt Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge ab.

Das bedeutet: Von den Steuervorteilen, die Arbeitnehmer bei der Bruttoentgeltumwandlung haben, profitieren Sie bei der Nettoentgeltumwandlung nicht mehr. Diese Form der Entgeltumwandlung verfolgt einen anderen Zweck.

Die Beiträge, die über die Nettoentgeltumwandlung in die betriebliche Altersvorsorge fließen, können Sie in der Steuererklärung geltend machen – und entsprechend von der Steuer absetzen. Zudem können Sie die betriebliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente kombinieren und sich staatliche Zulagen sichern. Wie hoch diese ausfallen, lesen Sie in diesem Beitrag zur Riester-Rente. Schließen Sie über Ihren Arbeitgeber eine Riester-Rente ab, müssen Sie in der Auszahlungsphase keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr leisten.

Doch die Riester-Rente über die Nettoentgeltumwandlung funktioniert nicht mit allen Durchführungswegen, sondern nur mit Pensionsfonds, Pensionskasse und Direktversicherung. Außerdem lohnen sich Riester-Verträge heutzutage oft nicht mehr, selbst trotz Steuervorteilen und staatlicher Zulagen. Ob die Nettoentgeltumwandlung also in Ihrem persönlichen Fall Sinn ergibt, sollten Sie gut prüfen.

Welche Nachteile birgt die Entgeltumwandlung?

Zentraler Nachteil der Bruttoentgeltumwandlung: Sie verzichten auf Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse und in die Arbeitslosenversicherung. Dadurch sparen Sie selbstredend Kosten für die Sozialabgaben.

Allerdings sammeln Sie gleichzeitig weniger Rentenpunkte. Entsprechend niedriger fällt auch Ihre spätere gesetzliche Rente aus. Wegen des geringeren Bruttogehalts erhalten Sie ebenso weniger Krankengeld oder Arbeitslosengeld. Sie müssen also gut abwägen, wann die Entgeltumwandlung trotzdem sinnvoll ist. Das kann sein, weil die Betriebsrente die Verluste der gesetzlichen Rente ausgleichen (siehe unten).

Tabelle: Auf so viel gesetzliche Rente müssen Sie bei Entgeltumwandlung verzichten


Höhe der monat­lichen Entgelt­umwandlung

Einzahl­ungen in die bAV per Entgelt­umwandlung

Fehlende Renten­punkte bei Renten­eintritt

Renten­wert bei Renten­eintritt

Dauer­hafter, monatlicher Renten­verlust
100 € 43.200 € 0,85 61,56 € 52,17 €
200 € 86.400 € 1,70 61,56 € 104,34 €
282 € (sozialabgabenfreier Höchstbetrag) 121.824 € 2,39 61,56 € 147,11 €

Wir haben bei der Berechnung eine Einzahlungsdauer von 36 Jahren angenommen, ebenso jährliche Rentenanpassungen von 1,5 % und einen Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze von 1,8 %. Die Berechnung soll lediglich einen Eindruck vermitteln, wie groß der Verlust der gesetzlichen Rente durch die Gehaltsumwandlung ausfallen kann. Die genauen Werte können von der Berechnung deutlich abweichen.

Steuern und Sozialabgaben im Alter

Neben der geringeren gesetzlichen Rente und weniger Arbeitslosengeld müssen Sie im Ruhestand sowohl Einkommensteuer als auch Sozialabgaben auf die Betriebsrente zahlen, die Sie durch die Entgeltumwandlung erhalten. Bei den Krankenversicherungsbeiträgen gibt es zwar einen Freibetrag, der liegt aber nur bei 164,50 € im Jahr 2022. Nur auf die Renten, die über den Freibetrag reichen, müssen Sie den Beitrag zur Krankenkasse zahlen, etwa 15,7 % bis 15,9 %, je nach Höhe des Zusatzbeitrags.

Anders sieht es aber bei der Pflegeversicherung aus. Hier greift zwar ebenfalls eine Freigrenze von 164,50 €. Überschreiten Sie diese, werden die Beiträge zur Pflegeversicherung auf die volle Betriebsrente fällig.

Auch Steuern müssen Betriebsrentner zahlen, es greift die nachgelagerte Besteuerung. Der persönliche Einkommensteuersatz ist im Alter oftmals geringer als im Arbeitsleben, da das Einkommen niedriger ausfällt.

Zudem kann es sein, dass Sie durch die Umwandlung des Bruttogehalts die Beitragsbemessungsgrenze für die private Krankenversicherung unterschreiten. Besonders wenn Ihr Lohn knapp über die Grenze reicht, kann es schnell dazu kommen. In dem Fall müssten Sie in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Diesen – zugegeben Sonderfall – sollten Sie dennoch bei der Entgeltumwandlung beachten.

Wann ist die Entgeltumwandlung sinnvoll?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Es gilt: Je höher die Zuschüsse vom Arbeitgeber sind, desto besser. Seit 2022 muss der Arbeitgeber auch auf Altverträge einen Zuschuss von 15 % gewähren. Verbraucherschützer raten jedoch, mindestens auf einen Zuschuss vom Arbeitgeber von 20 bis 35 % zu setzen.

Deutlich wird der Unterschied anhand der sogenannten Förderquote. Sie gibt das Verhältnis zwischen Förderbetrag und Gesamtbeitrag an. Der Förderbetrag setzt sich wiederum aus dem Arbeitgeberzuschuss und staatlichen Vorteilen zusammen. Je höher die Förderquote ist, desto besser für Sie.

Bei allen Berechnungen sind wir vom Jahrgang 1980 und einem Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen ausgegangen, ebenso von Steuerklasse 1, keinen Steuerfreibeträgen sowie keiner Kirchensteuer. Berücksichtigt wurde zudem ein Krankenkassenbeitrag von 15,7 % als auch ein Bruttojahreslohn von 48.000 €.

Sie sehen: Die höchste Förderquote erreichen Arbeitnehmer bei einem vergleichsweise geringen Beitrag, aber einem Arbeitgeberzuschuss von 35 %. Besonders bei Gutverdienern lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge über die Entgeltumwandlung nur bei hohen Arbeitgeberzuschüssen. Sie sollten mit Ihrem Chef also über seinen Zuschuss verhandeln.

Generell kommt es aber darauf an, welchen Durchführungsweg der Arbeitgeber auswählt, wie hoch die Renditechancen ausfallen und wie teuer der Vertrag ist. Denn die Entgeltumwandlung ist nicht bei allen Durchführungswegen möglich. Zudem sollten Sie beachten, dass Sie im Alter eine geringe gesetzliche Rente erhalten. Auch müssen Sie die Betriebsrente im Ruhestand versteuern und Sozialabgaben darauf zahlen. Diese Abzüge sollten Sie beim Abschluss einer Entgeltumwandlung auf jeden Fall bedenken.

Wie beantrage ich die Entgeltumwandlung?

Im Regelfall müssen Sie einfach einen Antrag bei Ihrem Arbeitgeber stellen, der diesen dann an die Versicherung weiterleitet. Regelt er die betriebliche Altersvorsorge intern, also ohne extra Versicherer, entfällt die Weiterleitung entsprechend.

Allerdings: Welchen Vertrag Sie per Entgeltumwandlung besparen, entscheidet Ihr Arbeitgeber. Grundsätzlich stehen Ihnen fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung zur Verfügung.

Doch nicht alle Varianten sind wirklich möglich. Auf die Direktversicherung haben Sie einen Anspruch, Sie können diese daher von Ihrem Arbeitgeber verlangen. Das bedeutet: Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, können Sie Ihren Arbeitgeber immerhin auffordern, für Sie eine Direktversicherung für die betriebliche Altersvorsorge abzuschließen.

Das steht in der Entgeltumwandlungsvereinbarung

Für den Abschluss des Vertrags treffen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Entgeltumwandlungsvereinbarung. Hier halten Sie auch den Entgeltumwandlungsbetrag fest und bestimmen, ob dieser aus dem laufenden Arbeitsentgelt bezahlt oder vermögenswirksame Leistungen in den Vertrag fließen sollen. Manchmal ist es auch möglich, zusätzlich ein Überstundenentgelt in den bAV-Vertrag einzuzahlen.

In der Entgeltumwandlungsvereinbarung halten Sie ebenfalls eine mögliche Dynamisierung des Betrags fest, der umgewandelt wird. Möglich ist zum Beispiel, dass der Beitrag mit der Beitragsbemessungsgrenze jährlich ansteigt. Auch der Arbeitgeberzuschuss findet sich in der Entgeltumwandlungsvereinbarung.

Lesen Sie sich die Hinweise und mögliche Zwischenabreden der Entgeltumwandlungsvereinbarung gut durch. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Chef oder die Personalabteilung.

Bild-Copyright: Inside Creative House / Shutterstock.com