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24 Fehler, die Sie bei der Geldanlage einfach vermeiden können

Anna Baier 10.06.2016, 16:03

24 Fehler, die Sie bei der Geldanlage einfach vermeiden können

Finanzthemen sind unattraktiv. Mit der unbequemen Thematik der Geldanlage müssen Sie sich aber dennoch auseinandersetzen, wenn Sie Ihr Vermögen trotz den Zeiten der Nullzinspolitik noch aufbauen wollen. Dabei gilt es, die Stolperfallen des Investment-Dschungels gekonnt zu umgehen. Diese Fehler sollten Sie bei der Geldanlage vermeiden.

1 Gar nicht investieren

Viele Menschen glauben, dass sie weder die Zeit, das Know-how noch (wenn sie ehrlich sind) das Geld haben, um zu investieren. In keiner dieser Hinsichten sollten Sie sich unterschätzen. Finanzthemen sehen auf den ersten Blick sehr kompliziert aus. Doch während Sparer bis vor wenigen Jahren noch hohe Zinsen auf ihr Vermögen bekommen haben, vernichten Inflation und Niedrigzinsen heute das Kapital, das nur auf einem Sparkonto sitzt. So gesehen sparen Sie heutzutage nur Geld, wenn Sie es anlegen. Dazu gehört auch, Ihre Zeit zu investieren: Informieren Sie sich über Ihre verschiedenen Anlagemöglichkeiten. Auch kleine Beträge reichen aus, um mit der Geldanlage anzufangen – Sie legen schließlich Geld an, um sich langfristig ein Vermögen aufzubauen.

2 Beim Geldanlegen zu große Erwartungen haben

Viele Investoren träumen vom schnellen Geld, vor allem an der Börse. In glücklichen Einzelfällen können Spekulanten das vielleicht auch erreichen, indem sie mit ihrem Geld „zocken" und extrem hohe Risiken eingehen. Ist das Ziel des Investments jedoch der Aufbau und die stetige Mehrung eines Vermögens, benötigt dies Zeit. Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. Zu plötzlichem, unerwartetem Reichtum können Sie vielleicht per Lottogewinn gelangen, normalerweise leider aber nicht über eine Geldanlage.

3 In Dinge investieren, die Sie nicht verstehen

Es ist im Sinne vieler Institutionen, dass Finanzprodukte komplex sind. Produkte wie Kapitallebens- oder Rentenversicherungen leben von verdeckten Klauseln und/oder Kosten wie Gebühren und Provisionen. Auch Hebelprodukte wie CFDs, Optionsscheine oder Zertifikate sind von ihrer Funktionsweise komplex und die Risiken sind hier schwer einschätzbar. Deshalb: Stellen Sie sicher, dass Sie die Produkte, in die Sie investieren oder in die Sie investieren lassen, auch wirklich verstehen. Lassen Sie sich nicht nur von hohen Renditeversprechen locken, sondern lesen Sie das Kleingedruckte und informieren Sie sich über alle bestehenden Risiken.

4 Geld investieren, dass Sie nicht besitzen

Sie sollten Ihr Geld nicht anlegen, während Sie Kredite abzahlen oder wenn Sie gar Kredite für das Investment selbst aufnehmen müssen. Es ist keineswegs garantiert, dass Sie mit Ihrer Anlage mehr Geld verdienen können, als Sie hinterher an Zinsen und Zinseszinsen an den Kreditgeber zurückzahlen müssen. Ebenso sollten Sie nicht mit dem Geldanlegen beginnen, bevor Sie sich nicht mindestens drei bis fünf Monatsgehälter zur Seite gelegt haben. Diese Absicherung gegen den Verlust Ihres Arbeitsplatzes oder andere finanzielle Brandherde sollten Sie jederzeit abrufbar auf einem Tagesgeldkonto bereithalten. Im Ernstfall ist dieser „Notgroschen" dann direkt für Sie verfügbar und muss nicht ggf. teuer aus Ihrem Portfolio herausgelöst werden.

5 Bei fallenden Kursen in Panik geraten

Emotionen sind bei der Geldanlage oft hinderlich. Täglich können Sie in den Medien Prognosen über die fallenden Kurse dieser oder jener Branche lesen. Die Angst vor hohen Verlusten treibt viele der betroffenen Anleger dazu, ihre Wertpapiere im falschen Moment zu verkaufen. Kursschwankungen sind jedoch das „täglich Brot" an der Börse. Verluste verbuchen Sie erst dann endgültig, wenn Sie Ihre Investments unter Wert veräußern. Lassen Sie sich von dem stetigen Auf und Ab der Börse nicht aus der Ruhe bringen, sondern denken und handeln Sie langfristig und gemäß Ihrer in „ruhigeren" Zeiten aufgestellten Anlagestrategie.

6 Sich von steigenden Kursen mitreißen lassen

„Chancen" kommen und gehen bei der Geldanlage – lassen Sie sich nicht aus Angst, etwas zu verpassen, zu Fehlentscheidungen verleiten. Wenn Sie bei hohen oder steigenden Kursen noch investieren, kaufen Sie die Wertpapiere unter Umständen über deren eigentlichen Wert – und können überproportional verlieren, wenn die Kurse wieder sinken. Die einzige Garantie an der Börse ist, dass Kurse in jedem gegebenen Jahr steigen oder fallen. Wichtig ist, dabei einen kühlen Kopf zu bewahren. Generell gilt: Sie können Ihre Gewinne optimieren, in dem Sie Anteile kaufen, wenn andere in Panik über niedrige Kurse geraten. Dann müssen Sie nur geduldig auf hohe Kurse zu warten, um wieder zu verkaufen.

7 Sich auf die Erfolge der Vergangenheit verlassen

Um sich für oder gegen eine Anlage zu entscheiden, ist die Kursentwicklung über gewisse Zeitspannen oft eines der Entscheidungskriterien, die Anleger zuerst betrachten. Sie sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass die Vergangenheit nicht unbedingt Aufschluss über die Zukunft gibt. Gewinnen nachzujagen ist ein Spiel, bei dem Sie nur verlieren können. Die großen Gewinner von heute handelten nach einer guten Idee, die Sie gestern hätten haben sollen. Schauen Sie also nach vorne und legen Sie dort an, wo Sie eine Wertsteigerung auch in der Zukunft vermuten.

8 Ohne klares Ziel investieren

Sind sich Anleger nicht darüber bewusst, was sie eigentlich mit ihrem Investment erreichen wollen, verlieren sie unter Umständen schnell den Überblick. Wichtige Entscheidungen können dann sehr leichtfertig getroffen werden. Legen Sie als 30-Jähriger Geld für Ihre Altersvorsorge an, sind kurzfristige Kursschwankungen für Sie kein bedeutungsvolles Risiko. Anders sieht Ihre Risikotoleranz allerdings aus, wenn Sie Vermögen für eine Anschaffung in der näheren Zukunft bilden wollen. Nehmen Sie sich die Zeit, sich Ihre Ziele und Motivationen für die Geldanlage zu überlegen.

9 Keine Anlagestrategie verfolgen

Haben Sie ein Ziel bei Ihren Investments vor Augen, ist es wichtig, die einzelnen Schritte, die Sie auf dem Weg dahin zurücklegen müssen, zu identifizieren. Daraus ergibt sich Ihre Anlagestrategie, nach der sich wiederum Ihre einzelnen Investmententscheidungen ausrichten sollten. Ihre Anlagestrategie sollte Ihre Ziele, Ihren Zeithorizont und Ihre Risikotoleranz genauso adressieren wie die Verteilung des Investments nach Anlagen und Anlageklassen (Asset Allocation). Setzen Sie sich im vornherein ein Limit, wie viel Geld Sie maximal in eine einzelne Anlage anlegen möchten. Ist es Ihre Strategie, in Unternehmen zu investieren, die hohe Dividende auswerfen? Möchten Sie sich ein passives Einkommen aufbauen? Oder suchen Sie nach stetiger Wert- und Kurssteigerung? Anhand welcher Benchmarks werden Sie den Erfolg Ihres Investments messen?
Errechnen Sie sich, wie Ihr Portfolio im schlimmsten oder besten Fall dasteht, und ob dieses Verhältnis von Risiko und Rendite zu Ihrem übergeordneten Ziel passt. Damit bereiten Sie sich auch auf die Folgen eines wirtschaftlichen Auf- oder Abschwungs vor. Ihre Anlagestrategie sollten Sie sich genau überlegen und Sie sollten möglichst konsequent an ihr festhalten.

10 Nicht wissen, wann man am besten verkaufen sollte

Viele Anleger haben Probleme damit, sich von schwächelnden Investitionen zu trennen. Auf lange Sicht bleibt natürlich immer die Hoffnung, dass ein Kurswert sich wieder erholt. Besonders aber für kurze Zeithorizonte kann eine persönliche Unter- oder auch Obergrenze eine nützliche Entscheidungshilfe sein. Für Sie heißt das: unterschreitet ein Kurs das von Ihnen festgelegte Limit, verkaufen Sie. Damit halten Ihre Verluste sich in jedem Fall in den von Ihnen bestimmten Grenzen. Diese Untergrenze sollte vor allem davon abhängen, wie viel Verlust Sie im „worst case scenario" maximal einzugehen bereit sind. Auch in dem entgegengesetzten Fall von einer starken Anlage kann es vernünftig sein, sich selbst eine Kursobergrenze zu setzen. Damit verbuchen Sie sich Ihre Gewinne sicher, sobald die Grenze erreicht wurde – und zittern nicht davor, dass der Kurs wieder fallen könnte.

11 Den gesetzten Kurs nicht halten

In wirtschaftlichen Tieflagen kommen vielen Investoren schnell Zweifel an ihren Entscheidungen. Ihre Anlagestrategie sollte deshalb von vornherein krisenfest sein und nicht nur in guten Zeiten funktionieren. So können Sie auch in schwächeren Zeiten Kurs halten und werden nicht gleich bei jeder „Windböe" Ihr Portfolio umschichten. Halten Sie an Ihrer Strategie fest – denn nur dann werden Sie das gesteckte Ziel erreichen. Geduldig zu sein und manchmal auch einfach „nichts" zu tun, ist für Ihre Geldanlage oft besser, als impulsive Entscheidungen zu treffen.

12 Leichtfertig aufgrund von Tipps oder Gerüchten investieren

Wer kennt sie nicht – die „heißen Investment-Tipps” aus dem Bekanntenkreis. Am besten ist es, diesen genauso skeptisch gegenüber zu stehen wie Gerüchten. Viele Profis und noch mehr Spekulanten versuchen den Markt vorherzusehen – doch dies ist in erster Linie Glückssache. Verlassen Sie sich bei der Auswahl Ihrer Geldanlage auf Ihren eigenen Sachverstand. Das heißt auch, sich über jede Investition vorher gründlich zu informieren – und sich eine eigene Meinung zu bilden.

13 Ständig die Finanz-News verfolgen

Noch immer herrscht der Irrglaube, dass es für die Geldanlage nötig und wichtig ist, die Finanzmedien täglich mit Argusaugen zu verfolgen. Natürlich sollten Sie informiert sein, dennoch sollte nicht jedes Gerücht, jede Hiobsbotschaft und Expertenmeinung direkten Einfluss auf Ihr Portfolio nehmen können. Dazu kommt, dass man mit dem heutigen technischen Stand via Smartphone praktisch ständig und sofort in der Lage ist, sein Portfolio aufzurufen und es entsprechend zu verändern. Jedoch ist es schwierig, auf den Anstieg oder Fall der Kurse von einem Tag auf den anderen richtig zu reagieren, denn die Gründe für die Entwicklung sind nicht immer offensichtlich. Seien Sie am besten ehrlich zu sich: Das tägliche Auf und Ab an den Börsen irritiert Sie und lässt Sie schnell an Ihrer Anlagestrategie zweifeln? Dann sollten Sie auf das tägliche Lesen der Finanz-News verzichten.

14 Auf schlechte Berater hören

Prüfen Sie genau, wem Sie die Sorge für Ihr Geld anvertrauen. Das Argument von Vermögensberatern ist oft: Sie würden nicht versuchen, Ihr Auto selbst zu reparieren, aber um Ihre Finanzen kümmern Sie sich selbst? Der Grund, warum Sie es doch tun sollten, ist einfach: Niemand außer Ihnen will das Beste für Sie und Ihr Geld. Anbieter wie Banken, Versicherungsgesellschaften und Berater sichern sich ihre Existenzberechtigung zum Teil dadurch, dass Sie dabei kapitulieren, Ihr Geld eigenständig anzulegen und den „Profis" das Feld überlassen. Wenn Sie sich für einen dieser Experten entscheiden, sollten Sie vollkommene Transparenz verlangen. Fragen Sie sich, wie Ihr Berater sein Geld verdient. Wird Ihnen ein Finanzprodukt empfohlen, weil es wirklich gut ist, oder weil dabei eine Provision für Ihren Berater rausspringt? Denn bedenken Sie: „Beratungsgespräche", für die Sie kein Honorar bezahlen, sind immer auch Verkaufsgespräche. Lassen Sie sich nichts aufschwatzen. Überlegen Sie sich, ob Sie das Heft wirklich aus der Hand geben wollen. Wenn Sie trotzdem nicht auf einen Anlageberater verzichten wollen, ist es am besten, sich auf dieses Gespräch genau vorzubereiten, informierte Fragen zu stellen und den Berater von vornherein per Honorar zu bezahlen.

15 Fondsmanager überschätzen

Gerade weil das Thema Geldanlage nicht trivial ist, wähnen sich viele Anleger beim Kauf von Anteilen eines aktiv verwalteten Fonds auf der sicheren Seite. Doch nur weil Experten mehr Erfahrung im Geldanlegen haben, bedeutet es noch lange nicht, dass sie regelmäßig und verlässlich besser investieren als Sie das könnten. Ziehen Sie diese Anlageform in Betracht, sollten Sie sich deshalb ernsthaft fragen: Kann ein Fonds-Manager ein Investment-Portfolio wirklich besser zusammenstellen als ich selbst? Eine wichtige Frage – gerade auch vor dem Hintergrund, da Sie heutzutage auch mit FinTechs wie z. B. Cashboard arbeiten können. Über die so-genannten Robo-Advisors können Sie sich kostenlos, per Algorithmus zusammengestellte und auf Ihre eigene Risikoklasse optimierte Portfolios generieren lassen, in die Sie dann auch gleich online anlegen können.

16 Fonds-Gebühren außer Acht lassen

Wenn Sie bei der Geldanlage nicht auf Fonds verzichten möchten, sollten Sie sich unbedingt über alle anfallenden Kosten informieren – denn diese können Ihre Rendite empfindlich schmälern. Große Unterschiede gibt es hier bei passiv und aktiv verwalteten Fonds.
Sogenannte „passive Fonds" wie Indexfonds und die meisten Exchange Traded Funds (ETFs) bilden automatisiert einen Aktienindex wie zum Beispiel den DAX ab. Weil nun der DAX die 30 größten deutschen Aktienunternehmen beinhaltet, erzielen diese passiven Fonds per Definition durchschnittliche Gewinne. Darum fallen die Management-Fees mit 0,1 % bis 0,5 % pro Jahr niedrig aus. Aktiv verwaltete Aktienfonds hingegen werden mit dem Sachverstand eines Managers betreut. Sie versuchen, durch das Übertreffen des Marktes überdurchschnittliche Erträge zu erwirtschaften. Für diese Expertise und Verwaltung wird eine Gesamtkostenquote (engl. „Total Expense Ratio" oder TER) von immerhin 1,5 % bis 2 % verlangt. Diese Gebühren können darum schwer überschaubar sein, weil sie zu Lasten der angelegten Investmentsumme verlangt werden und so direkt an Ihrem anzulegenden Vermögen zehren. Dabei ist es im Interesse der Fondsgesellschaften, dass sich diese prozentualen Angaben nach kleinen, unwichtigen Beträgen anhören. Jedoch sind 2 % von einer Investmentsumme von z.B. € 10.000 immerhin € 200 Ihres Ersparten, die Sie ausgeben statt zu investieren – und damit keine Peanuts.

Neben Verwaltungskosten können bei aktiv verwalteten Fonds zusätzlich folgende Kosten anfallen:

  • Ausgabeaufschlag: Oftmals muss beim Erwerb von Fondsanteilen ein Ausgabeaufschlag bezahlt werden. Bei Aktienfonds beläuft sich dieser typischerweise auf 4 % bis 5 %.
  • Rücknahmegebühren: Wollen Sie Ihre Anteile wieder verkaufen, kann es sein, dass Sie der Fonds-Gesellschaft eine bestimmte Rücknahmegebühr bezahlen müssen.
  • Depotgebühren: Eher die Ausnahme, aber einige wenige Anbieter verlangen für das Verwahren der Fondsanteile im Depot eine zusätzliche, jährliche Depotgebühr.
  • Performance-Fees: Für das Erreichen oder Übertreffen der im Prospekt definierten Erfolgsziele verlangen rund ein Viertel der Fonds eine Performance-Fee. Diese kann dann durchaus 10 % bis 20 % der erreichten Rendite betragen.

Übrigens: Achten Sie bei der Auswahl auf die Aufstellung des Fonds, in den Sie investieren möchten. Manche der angeblich aktiv verwalteten Fonds stehen nun unter Verdacht seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), zu „inaktiv" zu sein. Geld in einen Investmentfonds anzulegen, der sich als aktiv ausgibt, aber nur einen Index nachbildet, ist für die betroffenen Investoren darum problematisch, weil sie unter Umständen zu hohe Gebühren zahlen.

17 Steuervorteile ignorieren

Seit den gesetzlichen Änderungen zur Abgeltungssteuer in 2009 müssen die Gewinne aus den meisten Investments versteuert werden. Dabei fällt in der Regel ein einheitlicher Steuersatz von 25 % auf Kapitaleinkünfte an, ggf. zuzüglich der Kirchensteuer und/oder des Solidaritätzuschlags. Je höher die gewonnenen Erträge, desto höher also die Steuerzahlung.
Dazu kommt, dass auch Steuervorteile und -befreiungen durch die Gesetzgebung in den letzten Jahren stark eingeschränkt wurden. Dennoch sollten Sie sich informieren, für welche Investitionsformen diese gelten und unter welchen Umständen es diese Vorteile gibt. Noch gehören zum Beispiel Immobilien zu den Kapitalanlagen, bei denen in der Regel gewisse Kosten zum Erwerb und Erhalt steuerlich abgesetzt werden können. Nischen wie die vom Staat subventionierten Renten oder steuereinfache ETFs können die Steuerlast ebenfalls senken. Aber auch etwaige Verluste eignen sich zum Steuern sparen: diese können mit den Gewinnen derselben Anlageklasse verrechnet werden.

18 Niedrige Steuern als Auswahlkriterium von Investments heranziehen

Während Sie definitiv mit den anfallenden Steuern – sprich, Kosten – rechnen sollten, ist es dennoch nicht ratsam, die Auswahl von Anlagen ausschließlich von Steuervorteilen abhängig zu machen. Konzentrieren Sie sich nicht darauf, so viele Steuern wie möglich zu sparen – denn arm bleiben, um dem Fiskus nichts zu schenken, kann auch keine Option sein. Nur Investments in Betracht zu ziehen, die Ihnen Steuervorteile bieten, reduziert die Auswahl an infrage kommenden Investments drastisch. Und auch andere Nachteile können sich daraus ergeben. Investieren Sie beispielsweise ausschließlich in zu vermietende Immobilien, um Ihre Steuern gering zu halten, kann das Ihrem Portfolio in anderer Hinsicht, etwa der Risikostreuung, schaden. Sehen Sie Ihr Investment unternehmerisch, anstatt zu sehr auf Steuern fixiert zu sein: Solange die Einnahmen höher sind als die Kosten, machen Sie Gewinne.

19 Diversifizieren vergessen

Das Diversifizieren oder die Streuung von Risiko ist eine Börsenweisheit, die mittlerweile sowohl breit vertreten als auch breitgetreten ist. Es baut auf der Annahme auf, dass Sie sich mit der korrekten Auswahl Ihrer Investments gegen vermeidbare Risiken absichern können. Unvermeidbare Risiken wie Naturkatastrophen oder Eingriffe auf Regierungsebene hingegen müssen Sie in Kauf nehmen, wenn Sie Ihr Geld anlegen. Zusammenfassen kann man das Diversifizieren sehr prägnant mit den Sprichworten „Nicht alle Eier in einen Korb stecken" oder „Nicht alles auf eine Karte setzen". Bei dem optimalen Portfolio wird das Verlustrisiko von Anlagen mit hohen Kursschwankungen von den Investments mit niedrigeren Kursschwankungen ausgeglichen. Sich auf nur eine Anlage oder Anlageklasse zu vertiefen ist darum riskant, da im Falle einer Krise nicht nur ein kleiner Anteil, sondern gleich ein Großteil Ihres Kapitals verloren gehen kann. Investieren Sie also nicht all Ihr Kapital in nur eine Anlage (Anlageklasse).

20 Falsch diversifizieren

Eine Fehlannahme im Umgang mit der Risikostreuung besagt, dass die reine Anzahl unterschiedlicher Investments eine Rolle spielt. Stattdessen geht es beim Diversifizieren um Anlagen mit verschiedenen „Risikoprofilen" oder Kursschwankungen, die im besten Fall voneinander unabhängig sind (Korrelation). Investieren Sie jedoch in viele Anlagen mit einem gleichen oder ähnlichen Risikoprofil, so haben Sie sich nicht abgesichert, sondern die Situation möglicherweise verschlimmert. Wichtig bei der Auswahl von Anlagen ist die Streuung nicht nur auf verschiedene Anlageformen (wie zum Beispiel Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold) sondern auch nach Branche, geographischem Standort oder gar Währung. Sie werden sich an Ihrer „Risikostreuung" nicht erfreuen, wenn der Aktiencrash kommt und Sie Ihr Vermögen nur auf verschiedene Aktien unterschiedlicher Branchen verteilt haben. Streuen Sie Ihr Risiko richtig, haben Sie im selben Fall zum Beispiel noch Anleihen und/oder Immobilien als Auffangnetz.

21 Über Fonds doppelt investieren

Fonds werden oft als einfachster Weg angepriesen, sich mit nur einem Investment ausreichend gegen ein Klumpenrisiko abzusichern. Insbesondere bei passiv verwalteten Indexfonds oder ETFs ist dies der Fall, da sie meistens der Marktentwicklung in nicht nur einer sondern gleich mehreren verschiedenen Branchen folgen. Kompliziert wird es allerdings, wenn Sie einerseits Geld in Fonds anlegen und sich andererseits diverse Einzelwerte in Ihrem Portfolio befinden. Finden hier dann Überschneidungen, was Anlageklassen und/oder Branchen angehen, statt, bilden sich doch wieder ungewollte „Klümpchen" in Ihrem Portfolio. Achten Sie also darauf, dass zwischen Einzelinvestments in Ihrem Depot und den ebenfalls erworbenen Fonds-Anteilen ausreichende Unterschiede bestehen. Sonst könnten Sie weniger diversifiziert sein, als es Ihnen lieb (oder bewusst) ist. Schenken Sie den quartalsweise oder halbjährlich veröffentlichten Berichten Ihres Fonds Ihre Aufmerksamkeit. Denn hieraus lesen Sie die Investitionsentscheidungen der Fondsmanager und können Ihre eigenen entsprechend abstimmen.

22 Portfolio schleifen lassen

Es ist eine beliebte Strategie, Anlagen zu kaufen und dann bewusst auf lange Zeit zu halten, um nach ein paar Jahren von einer Wertsteigerung zu profitieren. Wenn es wirklich so läuft, haben Sie Glück gehabt – dennoch bleibt die Frage: Entspricht der Wertzuwachs überhaupt in etwa Ihren Erwartungen? Besser, als Ihr Portfolio während dieses Anlagezeitraums einfach schleifen zu lassen, ist es, es von Zeit zu Zeit einem Reality-Check zu unterziehen. Das bedeutet nachzuschauen, ob es noch Ihrer anfänglich aufgestellten Anlagestrategie entspricht. Befinden Sie sich noch auf Kurs in Richtung Ihres Anlageziels oder sind Sie bereits durch „Wildwuchs" in Ihrem Depot davon abgekommen? Weil die Wertentwicklung der Anlagen unterschiedlich ausfällt, sie also verschieden stark zu- oder abnimmt, kann es nötig sein, die gewünschte Struktur regelmäßig in Stand zu setzen – das heißt, Ihr Depot einem Rebalancing zu unterziehen. Dabei schichten Sie Ihre Kapitalanlagen nach gegebener Zeit so um, dass Ihre ursprüngliche Ziel- und Strategiesetzung wiederhergestellt ist.

23 Kapital zu oft umschichten

Pauschal kann nicht gesagt werden, wie oft Sie Ihr Kapital umschichten sollten. Weil aber dafür oft Transaktionskosten anfallen, sollten Sie es auf keinen Fall übertreiben. Ihr Kapital umschichten sollten Sie entweder in gewissen Zeitabständen oder abhängig von bestimmten Bedarfsfällen. Den größeren Nutzen ziehen Sie daraus, es nach Bedarfsfällen neu aufzustellen. Allerdings bedeutet das natürlich einen größeren Aufwand für Sie, da Sie dazu Ihr Portfolio regelmäßig im Auge behalten müssen, um diese Bedarfsfälle zeitnah erkennen zu können. Ein typischer Bedarfsfall wäre ein größer werdender Anteil von Aktien, der nicht mehr Ihrem Risikoprofil entspricht, weil Ihre ursprüngliche Anlagestrategie einen anderen prozentualen Aktien-Anteil vorsah. Gemäß dem zuvor beschriebenen Rebalancing würden Sie in diesem Fall den Aktien-Anteil verringern und so wieder zu den gewünschten Prozentsätze bei den Anlageklassen in Ihrem Depot zurückkehren.

24 In Unternehmen investieren, von denen Sie nicht überzeugt sind

Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Struktur zu erfassen und sie entsprechend zu analysieren, ist ein aufwändiges Unterfangen. Dazu kommt, dass man als „kleiner" Anleger oftmals nicht direkten Zugriff auf die Informationen hat, die für eine umfassende „Due Diligence"-Prüfung nötig wären. Interessieren Sie sich neben passiven Geldanlagen dennoch für den direkten Kauf von Unternehmensanteilen, so helfen auch einfache Fragen weiter, die Sie sich vor einem Investment stellen sollten: „Bin ich von dem Unternehmen persönlich überzeugt? Wird hier ein Produkt hergestellt, das noch in 10 oder 20 Jahren relevant sein könnte? Sehe ich die Chance, dass die Firma an Wert zunimmt oder an der Erstellung eines nachhaltigen Wertes beteiligt ist?"
Um es mit den etwas drastischen Worten von Investment-Profi Warren Buffett zu sagen: „Man sollte nur in Firmen investieren, die auch ein absoluter Vollidiot leiten kann, denn eines Tages wird genau das passieren!"


In welche finanziellen Stolperfallen sind Sie bereits getappt – haben wir etwa welche vergessen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!


Bild-Copyright: PHOTOCREO Michal Bednarek / Shutterstock

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