Mittelstandsanleihen: In den deutschen Mittelstand investieren? – Beachten Sie das Risiko!

Von Valeria Nickel, Mauritius Kloft, Falko Bozicevic – aktualisiert am 08.02.2024

Eigentlich klingt die Idee gut: Kleine und mittelständische Firmen sollen sich von Anlegerinnen und Anlegern Geld
beschaffen und dafür einen attraktiven Zinssatz bieten. Zumal der Mittelstand in Deutschland als Rückgrat der
Wirtschaft gilt – und die meisten Angestellten hier beschäftigt sind.

Doch: Mittelstandsanleihen bergen ein hohes Risiko für Ihre Geldanlage. Sollten Sie dennoch investieren
wollen, zeigen
wir Ihnen, was Sie beachten sollten.


Wie funktionieren Anleihen überhaupt?

Zur Erklärung


Mit Unternehmensanleihen eine Rendite erwirtschaften:

So
geht’s

Warum möchten Sie Geld anlegen?

Jetzt Anlegertest machen

Wie funktionieren Mittelstandsanleihen genau?

Mittelstandsanleihen sind Anleihen, die – wie der Name
vermuten lässt – von kleinen und mittelständischen Unternehmen
ausgegeben werden. Sie sind für Mittelständler eine Möglichkeit, unabhängig von Kreditinstituten an
Kapital zu
gelangen[1].
Das Emissionsvolumen liegt in der Regel zwischen 5 und 150 Mio. €. Im Vergleich
zu Anleihen großer Unternehmen ist
das Volumen also eher gering.

Die Bonität des Emittenten – die
Kreditwürdigkeit – spielt
eine entscheidende Rolle. Eine niedrige Bonität bedeutet ein
höheres Risiko für Sie als Anlegerin oder Anleger. Um dennoch Investoren anzulocken, bieten Mittelstandsanleihen höhere
Zinsen an – als Risikoaufschlag.

Mittelstandsanleihen haben eine festgelegte Laufzeit, während das Unternehmen die Anleihe zurückzahlt.
Während dieser
Zeit zahlt der Emittent regelmäßig Zinsen (Zinskupon) an Sie als Anleihegläubiger. Der Zinssatz wird
bei der Emission
festgelegt und bleibt in der Regel während der Laufzeit konstant.

Mittelstandsanleihen sind ein Teil des Anleihemarktes, auf dem Unternehmen Schuldtitel
ausgeben, um sich Kapital
von Investoren – den Gläubigern – zu beschaffen. Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt ist der zentrale Zweck
dieser Emissionen. Sie ermöglichen es Unternehmen etwa, bestehende Schulden zu refinanzieren oder
Wachstumskapital unabhängig von Banken einzuwerben.

In Deutschland können Sie Mittelstandsanleihen u.a. an folgenden Börsen handeln:

  • München („m:access“[2]),
  • Hamburg / Hannover („Mittelstandsbörse Deutschland“[3]).

Bonität bei Mittelstandsanleihen

Die Bonität wird von Ratingagenturen bewertet. Sie bietet einen Anhaltspunkt für das Ausfallrisiko von
Anleihen[4]. Für den
deutschen Mittelstand sind insbesondere die Agenturen Euler Hermes,
Creditreform,Scope und FERI EuroRating Services
spezialisiert, aber auch große Firmen sind auf dem deutschen Markt aktiv (siehe Tabelle). Diese Ratingagenturen
verwenden in der Regel acht Ratingklassen mit bis zu drei Stufen. Ein Überblick:

  • Ratings von AAA bis BBB werden als „Investment Grade“ eingestuft[5]. Sie weisen auf eine sehr gute Bonität
    hin. Unternehmen in diesem Bereich gelten als finanziell solide.
  • Ein „Non-Investment Grade“ umfasst Ratings zwischen BB+ und CCC-. Die meisten aktuell
    gelisteten Mittelstandsanleihen fallen in diesen Bereich. Hier wird aufgrund eines höheren Risikos von
    spekulativen
    Investitionen gesprochen.
Rating Moody’s S&P Fitch
Investment Grade
Aaa AAA AAA AAA Höchste Bonität. Geringstes Ausfallrisiko.
Aa1/Aa2/Aa3 AA+ AA AA- Sehr hohe Bonität. Geringes Ausfallrisiko.
A1/A2/A3 A+ A A- Gute Bonität. Geringes Ausfallrisiko.
Baa1/Baa2/Baa3 BBB+ BBB BBB- Durchschnittliche Bonität. Mäßiges Ausfallrisiko.
Non-Investment Grade
Ba1/Ba2/Ba3 BB+ BB BB- Spekulative Bonität. Erhöhtes Ausfallrisiko.
B1/B2/B3 B+ B B- Hohe spekulative Bonität. Hohes Ausfallrisiko.
Caa/Ca/C CCC/CC CCC/CC CCC/CC Hochgradig spekulative Bonität. Sehr hohes Ausfallrisiko.

Exkurs: Hype der Mittelstandsanleihen

Mittelstandsanleihen gewannen in den 2010er-Jahren an Bedeutung – seitdem ist die Beliebtheit jedoch
deutlich
zurückgegangen[6]. Denn viele Firmen, die Anleihen emittiert
haben, sind insolvent gegangen – oder konnten die Anleihen
entweder nicht oder nur mit Verzögerung zurückzahlen.

Auch zuletzt sind einige Firmen mit ihren Zahlungsverpflichtungen in Verzug geraten, etwa der Immobilienentwickler
Eyemaxx,
der Stahlkonzern Metalcorp, der Solarentwickler Sowitec oder das deutsch-russische Landwirtschaftsunternehmen Ekosem.

Der Fonds der Verwaltungsgesellschaft KFM Deutsche Mittelstand AG – der Deutsche Mittelstandsanleihen
Fonds
– befindet
sich aktuell in Abwicklung. Er war der hauptsächliche institutionelle Investor bei den allermeisten Emissionen.

Wie hoch ist die Rendite von Mittelstandsanleihen?

Mittelstandsanleihen werden zu den sogenannten High-Yield-Bonds – also Hochzinsanleihen – gezählt.
Denn: Die
Mittelständler zahlen einen erheblichen Risikoaufschlag, dafür, dass ihre Bonität sehr gering ist und Sie ihnen dennoch
Geld zur Verfügung stellen.

Mittelstandsanleihen fallen vor allem durch ihre attraktiven Zinsen auf. Diese liegen oft bei bis zu
10 % und seit 2023 sogar etwas darüber. Die Höhe
der
Zinsen bei Anleihen wird maßgeblich durch die Bonität des Emittenten bestimmt.

Die Rendite aus Investitionen in Mittelstandsanleihen ergibt sich dabei nicht nur aus den Zinsen – zumindest nicht nur.
Denn Mittelstandsanleihen können auch an der Börse gehandelt werden. Dann wird ihr Preis durch Angebot
und
Nachfrage bestimmt. Es kommt also auf den Kurs der Anleihe zum Zeitpunkt des Kaufs und Verkaufs zum Gewinn an.

Wie hoch ist das Risiko von Mittelstandsanleihen?

Sehr hoch. Investieren in Mittelstandsanleihen birgt erhebliche Risiken, wie zahlreiche Ausfälle
zeigen. Im Falle einer
Insolvenz des Emittenten besteht die Gefahr, dass Sie als Anlegerin oder Anleger weder die erwarteten Zinszahlungen
erhalten – noch ihr investiertes Kapital vollständig zurückerstattet bekommen[7].

Im Gegensatz zu einem Bankkredit sind Unternehmen, die Mittelstandsanleihen ausgeben, nicht verpflichtet, Sicherheiten
für den Fall einer Insolvenz bereitzustellen. Obwohl oft Schutzklauseln (Covenants) vereinbart werden,
liegt es im
Ermessen des Emittenten, wie diese umgesetzt werden.

Zudem kann es vorkommen, dass eine Mittelstandsanleihe nicht vollständig platziert wird. Es besteht die
Möglichkeit,
dass das Unternehmen später zusätzliches Fremdkapital aufnimmt, was die Bedienung von Zinsen und Rückzahlungen
bestehender Verpflichtungen erschweren kann.

Sie sollten beachten, dass die Liquidität des Markts für Mittelstandsanleihen aufgrund des
vergleichsweise niedrigen
Emissionsvolumens begrenzt ist. Daher besteht für Sie das Risiko, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. In dem Fall
könnte ein Verkauf während der Laufzeit entweder gar nicht oder nur mit Abschlägen möglich sein.

Was sollten Sie bei einem Investment in Mittelstandsanleihen beachten?

Beim Investment in Mittelstandsanleihen sollten Sie mehrere wichtige Aspekte beachten. Eine Übersicht[8]:

Sind Mittelstandsanleihen noch ein sinnvolles Investment?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Angesichts der Risiken und der Insolvenzen in der Vergangenheit sollten Sie
überlegen, ob ein Investment noch Sinn für Sie ergibt. Fairerweise sollte man beachten, dass ein Gros der Ausfälle
besonders zwei Branchen geschuldet war: den Erneuerbaren in den 2010er Jahren sowie Immobilien in jüngster Zeit (im Zuge
der gestiegenen Zinsen und Kosten). Die Probleme dieser Branchen haben indes auch vor großen Unternehmen wie SolarWorld
nicht Halt gemacht.

Wichtig dabei ist: Mittelstandsanleihen sind – anders als zum
Beispiel Bundesanleihenkein
Sicherheitsbaustein
. Das
heißt: Falls Sie in einzelne Mittelstandsanleihen investieren,
sollten diese nur einen kleinen Teil Ihres Portfolios
ausmachen.

Anstatt Ihr Geld in einzelne Mittelstandsanleihen anzulegen, können Sie auch auf einen ganzen Rentenfonds setzen, der
sich auf Unternehmensanleihen spezialisiert hat. Mit einem solchen Fonds streuen Sie Ihr Risiko von vornherein auf viele
Anleihen.

Doch Sie haben noch andere Alternativen zur Mittelstandsanleihe. Wenn Sie bereit sind, ein gewisses
Risiko für eine
potenziell hohe Rendite einzugehen, können Sie etwa auf Crowdinvesting setzen. Hier investieren Sie gemeinsam
mit einer
Vielzahl von Privatanlegern etwa in ein Immobilienprojekt. Anders als bei Mittelstandsanleihen ist die Einstiegssumme
deutlich geringer. Doch auch Crowdinvesting sollte lediglich einen
Teil eines ausgewogenen Portfolios ausmachen.

Investment geschenkt


Ihr Gutscheincode

10 € Startguthaben

Bild-Copyright: © PantherMedia / Andriy Popov

Quellenangaben

  1. Kühn, M., Kühn, S. (2023). Handbuch
    Geldanlage – Verschiedene Anlagetypen für Anfänger und Fortgeschrittene einfach erklärt: Aktien, Fonds,
    Anleihen, Festgeld, Gold und Co. Berlin: Stiftung Warentest. S. 95
  2. Börse München: m:access – die Börse für den Mittelstand
  3. Börse Hamburg: Mittelstandsbörse Deutschland
  4. Kühn, M., Kühn, S. (2023). Handbuch
    Geldanlage – Verschiedene Anlagetypen für Anfänger und Fortgeschrittene einfach erklärt: Aktien, Fonds,
    Anleihen, Festgeld, Gold und Co. Berlin: Stiftung Warentest. S. 77
  5. Kühn, M., Kühn, S.
    (2023). Handbuch
    Geldanlage – Verschiedene Anlagetypen für Anfänger und Fortgeschrittene einfach erklärt: Aktien, Fonds,
    Anleihen, Festgeld, Gold und Co. Berlin: Stiftung Warentest. S. 95
  6. Kühn, M., Kühn, S. (2023). Handbuch
    Geldanlage – Verschiedene Anlagetypen für Anfänger und Fortgeschrittene einfach erklärt: Aktien, Fonds,
    Anleihen, Festgeld, Gold und Co. Berlin: Stiftung Warentest. S. 95
  7. BaFin: Mittelstandsanleihen – Undurchsichtige Geldanlage für Verbraucher?
  8. BaFin: Mittelstandsanleihen – Undurchsichtige Geldanlage für Verbraucher?