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Wie Sie sich hohe Zinsen nicht entgehen lassen: Tagesgeld im Vergleich mit anderen Anlageformen

Valeria Nickel 03.03.2016, 14:30

Wo bekommt man heute noch hohe Zinsen?

Die Blütezeit vom Girokonto, dem guten alten Sparbuch und Sparkonto ist vorbei. Sie sind mittlerweile gar nicht oder nur bis zu 0,05 % verzinst. Deshalb etablierten sich vor einigen Jahren das Festgeld- und insbesondere Tagesgeldkonto als neue beliebte Anlageform am Markt. Durch die Nullzinspolitik sinken allerdings auch hier die Zinssätze stetig und diese Entwicklung wird voraussichtlich auch im Laufe der nächsten Jahre anhalten. Nun liegt es an den Sparern, sich nach alternativen Anlageformen umzusehen, wenn sie höhere Zinsen erwirtschaften möchten.

Was ist Tagesgeld?

Tagesgeld ist eine Form der Geldanlage, bei der man einer Bank eine bestimmte Geldsumme über einen unbestimmten Zeitraum (meistens 1-12 Monate) zur Verfügung stellt und dafür eine Verzinsung bekommt. Der Vorteil ist, dass man jederzeit wieder auf sein Erspartes zugreifen kann, ohne eine Kündigungsfrist einhalten zu müssen. So kann man bei Bedarf ganz einfach zu einem besseren Angebot bei einer anderen Bank wechseln. Außerdem gehört das Tagesgeld zu den wenigen wirklich fast zu 100 % sicheren Geldanlagen. Denn Tagesgelder enthalten (wenn in Euro geführt) kein Währungsrisiko, kein Kursrisiko, kein größeres Zinsrisiko und sind innerhalb der EU durch die Einlagensicherung weitestgehend abgesichert. Andererseits kann die Bank den Zinssatz aber jeden Tag ändern. Die verschiedenen Tagesgeldkonten auf dem Markt kann man ganz unkompliziert anhand der gebotenen Verzinsung vergleichen: Sie müssen einfach den Anlagebetrag und die gewünschte Anlagedauer eingeben. Für Neukunden haben Banken meist besonders günstige Angebote wie Gutschriften oder Sonderzinsen. Bestandskunden erhalten im Vergleich dazu schlechtere Zinssätze. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig die aktuellen Angebote zu vergleichen und sein Geld dann auf das beste Angebot umzuschichten.

Was ist Festgeld?

Das Festgeldkonto ist eine andere Variante der Geldanlage. Es fällt unter den Oberbegriff Termingeld. Wie beim Tagesgeld stellt der Kunde der Bank eine bestimmte Summe zur Verfügung. Er vereinbart jedoch eine feste Laufzeit für die Anlage (Mindestdauer dafür ist bei fast allen Banken 1 Monat) und kann bis zum Rückzahlungstermin nicht mehr auf sein Geld zugreifen. Die Bank wiederum kann nach der Anlage des Festgeldes den Zinssatz nicht mehr ändern. Ebenfalls zum Termingeld gehört das Kündigungsgeld. Die Geldanlage läuft dabei grundsätzlich unbefristet und ist zunächst mit einem variablen Zinssatz ausgestattet. Allerdings vereinbaren Kunde und Bank eine Kündigungsfrist für den Fall, dass der Kunde sein Geld benötigen sollte. Erst durch die Kündigung wird der Zinssatz bis zum Ende der Kündigungsfrist „fest" und die Anlage im Prinzip zum Termingeld.

Festgeld oder Tagesgeld?

Der Unterschied zwischen Festgeld und Tagesgeld liegt in der Verfügbarkeit des angelegten Kapitals. Beim Tagesgeldkonto hat der Anleger in der Regel keine Kündigungsfrist einzuhalten und kann jederzeit flexibel über sein Kapital verfügen, während er beim Festgeld bzw. Termingeld bis zum Ende des vorher festgelegten Anlagezeitraumes warten muss. Infolge dieser höheren Liquidität bekommt der Anleger beim Tagesgeld etwas niedrigere Zinsen als beim Festgeld. Darüber hinaus variiert der Zinssatz täglich, je nach Marktgegebenheiten. So sind Sparer, die sich heute einen Anbieter von einem Tagesgeldkonto mit hohem Zinssatz aussuchen, nicht gegen sinkende Zinsen gewappnet – es sei denn, die jeweilige Bank bietet eine Zinsgarantie über einen bestimmten Zeitraum, in welchem die Tagesgeldzinsen nicht verändert werden.

Wenn der Anleger also locker zwei oder drei Jahre auf das Ersparte verzichten kann, ist er mit einem Festgeldkonto besser beraten. Im Vergleich dazu eignet sich ein Tagesgeldkonto dagegen vor allem für kurzfristige und zeitlich begrenzte Geldanlagen, beispielsweise wenn man in naher Zukunft eine größere Anschaffung plant und sein Geld irgendwo „zwischenparken" möchte.

Mittlerweile sind aber sowohl Festgeld als auch Tagesgeld schlecht verzinst. Während der durchschnittliche Zinssatz vor einigen Jahren bei etwa 2 % lag, können Anleger heute nur noch 0,5 % bis 1,0 % erwarten und werden eventuell in einigen Monaten oder Jahren schließlich mit weniger als 0,5 % abgespeist.

Wo bekomme ich noch hohe Zinsen?

Festgeldplattformen

Es lohnt sich ein Blick ins europäische Ausland: Dort locken die Banken die Kunden mit attraktiveren Zinsen – zumindest bei den angebotenen Festgeldkonten steht eine 1 vor dem Komma. Durch FinTech-Unternehmen wie „Savedo" und „Weltsparen" können diese Banken ihre Produkte auch deutschen Sparern anbieten. Die Eröffnung, Abwicklung und Auszahlung übernimmt die sogenannte Festgeldplattform als Dienstleister.

Festgeldplattformen im Vergleich

So bietet beim Festgeld die französische Renault Bank 1,0 % Zinsen, 1,1 % die österreichische Tochtergesellschaft der russischen Sberbank, 1,15 % die niederländische Bank Moneyou.
Beim Tagesgeld bietet 0,95 % die Renault Bank, 0,8 % die Sberbank, 0,95 % die Bank Moneyou und 1,25 % die luxemburgische Bank Advanzia. (Zinsen für Neukunden bei einjähriger Laufzeit, Quelle: Websites der Banken, abgerufen am 18.02.2016)
Die EU-weite Einlagensicherung, wonach Geldeinlagen bis 100.000 Euro (pro Kunde und Bank) vor einer Bankenpleite geschützt sind, sorgt dafür, dass man problemlos auch bei einer ausländischen Bank ein Tages- oder Festgeldkonto eröffnen kann.
Doch auch hier wird das Geschäft allmählich zurückgefahren.

Staatsanleihen

Wenn man als Sparer also hohe Zinsen erwirtschaften möchte, muss man in dieser Zeit von Tages- oder Festgeldkonten abrücken. Lange galten Staatsanleihen als alternative und ebenfalls bombensichere Anlage. Doch die Niedrigzinswelle ist längst auch bis hierhin geschwappt: Bei sicheren deutschen Staatsanleihen erhalten Anleger bei zehnjähriger Laufzeit nur noch 0,51 %.

Unternehmensanleihen

Stattdessen sollte man sich deshalb besser auf Unternehmensanleihen konzentrieren. Im Vergleich steht diese Anlageform zwar vom Sicherheitsgrad her unter Tages- und Festgeldkonten und Staatsanleihen. Auf der anderen Seite versprechen Unternehmensanleihen oft Zinsen zwischen 4 und 8 %. Zinsen sind aber nicht alles. Denn Anleihen können unter den Anlegern weiterverkauft werden. Deshalb muss man zwischen Zinsen (Kupon), Kurs und Rendite unterscheiden: Der Kupon zeigt den Zins, den das Unternehmen dem Sparer auf den ursprünglichen Betrag der Anleihe zahlt. Der Kurs gibt an, ob die Anleihen aktuell zu einem teureren oder günstigeren Preis als ursprünglich ausgegeben weiterverkauft werden. Er bildet damit das Vertrauen der Investoren in die Anleihe und ihre Rückzahlungswahrscheinlichkeit ab. Die Rendite setzt schließlich den aktuellen Kurs, die verbleibende Laufzeit und die zu erwartenden Zinszahlungen miteinander in Verhältnis. Wer also ein teures (sicheres) Papier mit niedrigen Zinsen am Ende der Laufzeit erwirbt, hat keine hohen Rendite zu erwarten. Wer dagegen ein im Kurs gefallenes (demnach unsichereres) Papier erwirbt, kann mit einer hohe Rendite bei Rückzahlung des ursprünglichen Wertes der Anleihe rechnen – falls eine Rückzahlung tatsächlich erfolgt.

Immobilienfonds

Wem Unternehmensanleihen zu riskant erscheinen, der hat noch die Möglichkeit, in Immobilien zu investieren. Das sogenannte „Betongold" boomt derzeit durch steigende Verkaufspreise und günstige Darlehensbedingungen. Diejenigen, die der Kauf einer eigenen Immobilie als Renditeobjekt finanziell überfordert, haben eine Alternative: Anteile an (offenen) Immobilienfonds. Dabei wird das Kapital von vielen Investoren eingesammelt und von einem professionellen Fonds-Manager in verschiedenen Objekten angelegt – gestreut nach Größe, Nutzungsart, Mietern, Alter und Standorten der Gebäude.

Anlageformen im Vergleich

Doch das Niedrigzinsproblem trifft auch die Fonds. Sie müssen das Geld so investieren, dass sie Anteilsrückgaben sofort bedienen, also täglich abrufen können. Für Tagesgeld bekommen sie aber kaum Zinsen. Vorhandene Liquidität ist teilweise sogar mit Negativzinsen angelegt. Für die Rendite ist es daher besser, wenn ein Fonds weniger stark liquide ist. Je geringer jedoch die Kassenbestände sind, desto eher besteht die Gefahr, dass die Anteilsrückgabe ausgesetzt werden muss, wenn plötzlich eine große Zahl von Investoren Anteile gegen Geld tauschen will. Daher können frühere Renditen von 4 bis 6 % nicht mehr erzielt werden. Sie haben sich aktuell im Mittel auf jährlich knapp 3  % eingependelt.

Immobiliencrowdinvesting

Wer auf „Betongold" vertraut, aber sich nicht mit der niedrigen Rendite zufrieden geben möchte, sollte das Crowdinvesting in Erwägung ziehen. Die moderne Anlageform verspricht Zinsen bis zu 7 %. Dabei schließt man sich mit vielen anderen Privatinvestoren über eine Internetplattform zusammen und investiert als „Crowd" zusammen in einzelne Bauprojekte. Das funktioniert bereits mit kleinen Beträgen und ermöglicht es somit auch Kleinanlegern, in teure Immobilien zu investieren. Das war bisher nur professionellen Groß-Investoren via Mezzanine-Kapital vorbehalten.
Die sogenannte Schwarmfinanzierung funktioniert bereits mit kleinen Summen. So kann man in mehrere Immobilien gleichzeitig investieren, ohne viel Vermögen aufbringen zu müssen. Begünstigt wird dies zudem durch relativ kurze Laufzeiten, wodurch das Kapital nicht auf lange Zeit gebunden ist und flexibel bleibt. Bei der Crowdinvestingplattform BERGFÜRST kann man seine Anteile außerdem auch schon vor Laufzeitende im Sekundärmarkt verkaufen. Sie sind also im Grunde überhaupt nicht an Laufzeiten gebunden, da die Anteile je nach Angebot und Nachfrage handelbar sind. Zudem gibt es dank der schlanken Online-Strukturen auf Crowdinvestingplattformen keine üblichen Vertriebskosten – so wird der an sich bereits hohe Zinssatz maximiert.


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