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Das ist unsere Meinung zum gerade verabschiedeten Kleinanlegerschutzgesetz

Dr. Guido Sandler 04.05.2015, 17:53

Guido Sandler

In unserem Beitrag vom 13.11.14 berichteten wir über Ziele und Inhalte des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zum Kleinanleger­schutzgesetz. Damals sorgte das Papier für Aufregung innerhalb der Crowdfunding/Crowdinvesting-Branche . Der Protest hatte Erfolg: Die Politik erkannte, dass sie das Gesetz an einigen Stellen nachbessern muss, will sie diesem jungen Wirtschafts-Zweig nicht unnötig das Wasser abgraben.

Was wurde geändert? In der Hauptsache geht es um diese Aspekte:

Wertpapierprospekt: 2,5 Mio. statt 1 Mio.

Statt bereits ab einer Finanzierungssumme von einer Million müssen die Unternehmen erst ab einem Volumen von 2,5 Millionen Euro einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geprüften Wertpapierprospekt vorlegen.

Vermögensinformationsblatt: online statt offline

Verpflichtend bleibt allerdings ein Vermögensinformationsblatt für alle Anlagen. Dieses Papier muss nun aber nicht mehr vom Anleger unterschrieben und per Post an das Unternehmen versendet werden, sondern kann online gelesen und bestätigt werden. Kritiker beklagten damals, dass eine Rücksendung per Post einen unnötigen Medienbruch darstellen würde, da die Mehrzahl der jungen Unternehmen ihr Geschäft ansonsten ausschließlich online abwickelt.

Also, alles gut? Nein!

Wir halten diese Änderungen für sinnvoll. Allerdings bringt das Gesetz aus unserer Sicht, weder in seiner alten Ausformung noch in seiner aktuell verabschiedeten Form, einen ausreichenden Schutz für Anleger. Damals wie heute sehen wir, gerade was den Bereich der Investoreninformation angeht, Handlungsbedarf.

Das Kleinanlegerschutzgesetz schreibt zwar vor, dass Crowdinvesting-Projekte mit einem Volumen von mehr als (jetzt) 2,5 Million Euro einen Wertpapierprospekt benötigen. Doch was passiert unterhalb dieses Investitionsvolumens? Und wieso haben die Investoren kein Recht darauf, im Rahmen der Platzierung einen Businessplan vorgelegt zu bekommen und im Anschluss kontinuierlich über die Unternehmensentwicklung informiert zu werden? Aus unserer Sicht ist das aber unbedingt notwendig, um autonom und zu jeder Zeit sich für oder gegen das Investment zu entscheiden.

Stärkung des falschen Finanzproduktes

Der Gesetzgeber erreicht durch das Anheben der Wertpapierprospekt-Grenze leider nur eines: Er stärkt so das falsche Finanzprodukt. Jetzt werden noch mehr Unternehmen Beteiligungen in Form von partiarischen Nachrangdarlehen anbieten. Warum auch nicht: Schließlich bieten sie, dank der neuen Obergrenze von 2,5 Mio. Euro, für viele Unternehmen eine ausreichende Kapitalisierung. Leider wird dadurch das „ehrlichere“, transparentere Finanzprodukt Aktie in den Hintergrund gedrängt.

Neo Investing mit „eingebauter“ Regulierung: Für BERGFÜRST-Kunden bleibt alles beim Alten

BERGFÜRST hat das Gesetz bereits in seiner strengeren Ausführung erfüllt bzw. übererfüllt: So ändert sich natürlich auch mit dem entschärften Gesetz nichts für unsere BERGFÜRST-Kunden. Wir als Neo Investing Plattform haben die Regulierung sozusagen seit unserer Gründung „eingebaut“: Von Beginn an agieren wir als Finanzdienstleister und seit 2014 sind wir eine Bank mit Erlaubnis der BaFin – inklusive Einlagensicherung.

Erfahren Sie mehr über unser Angebot und wie wir das Thema Anlegerschutz verstehen und umsetzen.

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1 Kommentare

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Ramona Faber

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06.05.2015, 09:03

Ihr fragt: "Und wieso haben die Investoren kein Recht darauf, im Rahmen der Platzierung einen Businessplan vorgelegt zu bekommen und im Anschluss kontinuierlich über die Unternehmensentwicklung informiert zu werden?" Das ist im Prinzip richtig. Ich aber finde, dass auch Kleinanleger ein wenig selbst denken sollten. Bietet mir ein Unternehmen, dass Finanzmittel sucht freiwillig einen Businessplan an, der mir plausiebel erscheint, dann ist das für mich ja schon mal ein + zum investieren. Wird ein solcher nicht angeboten und ich habe das Gefühl nicht ausreichend informiert zu sein, dann lasse ich ja auch die Finger von dem Investment. So kann ich ja selbst Eigeninitiative zeigen und wenn genügend Anleger sich finanziell weiterbilden und auch so handeln, dann reguliert sich das auch nach dem Markt. Wer als Kleinanleger nicht selbst mitdenkt und dann auf dubioses hereinfällt ist m.E. auch selber schuld. Ich Investiere nicht, wenn ich das Produkt nicht verstehe und wenn ich kein gutes Gefühl dabei habe!

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