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Größer Denken!

Dr. Guido Sandler 04.06.2012, 11:35

Heute trifft sich die Bundeskanzlerin in vertraulicher Runde mit Unternehmern und Vertretern der digitalen Wirtschaft. Sie diskutieren die Frage: Warum hat es außer der SAP eigentlich kein deutsches IT-Unternehmen zu Weltrang gebracht? Dabei muss aus unserer Sicht die Finanzierungsfrage in den Mittelpunkt.


In den letzten beiden Wochen haben wir zahlreiche und intensive Gespräche mit Gründern, Wagniskapital-Firmen und Private-Equity-Investoren geführt. Der Tenor war im Grunde immer der Gleiche: Gut, dass Bergfürst als neues Angebot auf den Finanzierungs-Markt kommt. Denn es ist nach wie vor schwierig für Startup-Unternehmen, auch bei nachweislich funktionierendem Geschäftsmodell zu fairen Konditionen an Wachstumskapital zu kommen. Ich bin sicher, dass die Kapitalfalle nach der Seed-Phase heute im Kanzleramt hinter verschlossenen Türen zur Sprache kommen wird.

Die digitale Wirtschaft kann es zumindest nur hoffen. Wir müssen in Deutschland alle gemeinsam lernen, größer zu denken. Das gilt auch und besonders für die Finanzierer von Innovation in der digitalen Ökonomie.

Wir haben gut einen Monat nachdem wir den Stealth-Mode verlassen haben das Gefühl, dabei auf einem guten Weg zu sein. Bei unseren Gesprächen steht zurzeit das Ziel im Fokus, Unternehmen zu identifizieren, für die eine Finanzierungsrunde mit Crowd-Effekt Sinn ergibt. Für uns ist das ein bisschen wie Klinkenputzen, aber das empfinden wir als völlig normal und ok. Schließlich sind wir neu und müssen unser Angebot erst einmal bekannt machen.

Das Feedback war sehr ermutigend. Im Grunde haben uns alle potenziellen Partner signalisiert: Unser Angebot „Crowdfinanzierung für die Wachstumsphase mithilfe von Aktien für Privatanleger“ ist sofort verstehbar und schlüssig. Dies noch einmal direkt von Unternehmern und Wagniskapital-Partnern zu hören, war eine wichtige Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die wohl noch wichtigere Botschaft aus den Gesprächen war: Der Bedarf ist ebenfalls da. Bei den professionellen Investoren, also den Ventures und Private Equity-Firmen, hatten nahezu alle ein Unternehmen im Portfolio, für das eine Crowd-Finanzierungsrunde einen echten Mehrwert zusätzlich zur reinen Kapitalbeschaffung bieten würde.

Meist landeten wir bei der Suche nach geeigneten Startups bei webbasierten Geschäfts-Modellen mit Privatkunden-Fokus. Das hatten wir auch so erwartet, aber es war auch an der Stelle befriedigend für uns zu hören: Die Venture-Kapitalgesellschaften glauben ebenfalls an die Unterstützungs-Möglichkeiten einer Anleger-Gruppe, wenn es darum geht, schnell Marktanteile zu erobern. Oder um es ein wenig konkreter zu formulieren: Besonders bei e-Commerce-Unternehmen und im Bereich Game-Hersteller sind wir auf sehr offene Ohren gestoßen.

Es gab aber auch ein paar Zweifel, mit denen wir konfrontiert wurden. Zum einen waren sich einige Wagniskapital-Geber nicht ganz sicher, ob Bergfürst eher in die Kategorie „Kooperationspartner” oder in die Kategorie „Mitbewerber” fällt. Fair enough. Wir glauben, dass unser Angebot für viele Seed-Investoren eine ideale Ergänzung ist und ihnen die Möglichkeit bietet, Risiken besser zu streuen. Aber wir verstehen natürlich auch, wenn ein Partnerkreis in einer Venture-Kapitalgesellschaft zu der Erkenntnis kommt: Bergfürst bietet Startup-Unternehmern ein alternatives Finanzierungskonzept an und ist daher Konkurrenz.

Etwas überrascht haben uns Bedenken von einigen Gesprächspartnern, dass der Emissionsprospekt vor der Platzierung auf Bergfürst eine hohe Hürde darstellen könnte. Denn eigentlich ist der Prospekt kein Hexenwerk.

Im Prinzip geht es im Emissionsprospekt ja nur darum, die neuen Investoren auf den Wissensstand der alten zu bringen. Etwas salopp formuliert nach dem Motto: Was bisher geschah... Das heißt konkret, dass im Prospekt erstens die Entwicklung der Gesellschafterstruktur abgebildet werden muss. Die ist schnell dargestellt. Die potenziellen Aktionäre müssen zweitens über den Geschäftsverlauf seit Gründung informiert werden. Dazu werden im Wesentlichen die Jahresabschlüsse dokumentiert, was bei jeder Due-Diligence-Prüfung ja auch der Fall ist. Die wiederum haben nahezu alle für das Modell Bergfürst in Frage kommenden Startups bereits hinter sich. Drittens müssen noch die wesentlichen Verträge genannt werden, die das Unternehmen mit Dritten geschlossen hat. Viertens und schließlich werden die potenziellen Investoren noch ausführlich auf das Totalausfall-Risiko aufmerksam gemacht werden. Dies geschieht in der Regel mit Standardformulierungen, die im Einzelfall etwas angepasst werden müssen. Unsere Wahrnehmung in der Summe ist: Alles liegt in der Schublade. Man muss es nur ein wenig systematisch zusammenstellen und der Aufwand dafür hält sich in absolut machbaren Grenzen. Und natürlich unterstützen wir dabei auch gerne.

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