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Das kleine 1x1 des IPO

Dr. Guido Sandler 24.05.2012, 11:24

Der Börsengang von Facebook liest sich wie ein Lehrstück zu allen Fehlern, die im Rahmen eines Börsengangs nur gemacht werden können. Ein Börsengang ist kein einmaliges Geschäft, bei dem es darum geht, das Maximum herauszuholen. Vielmehr ist der Börsengang oder IPO der erste Schritt im Leben einer börsennotierten Aktiengesellschaft, die eine langfristige Bindung mit ihren Aktionären eingeht und sich den nachhaltigen Zugang zur künftigen Eigenkapitalfinanzierung erschließen möchte.


Die Stimmung am Kapitalmarkt wirkt auf das Unternehmen insgesamt förderlich oder hemmend. Wer das verstanden hat, ist gut beraten, beim Börsengang eine Win-Win Situation für Unternehmen und Investoren zu schaffen, damit ein nachhaltiger Erfolg sichergestellt ist. Hier die wesentlichen Fehler, die Facebook gemacht hat:

1. Preisspanne anheben

Im Vorfeld der Bekanntgabe der Preisspanne wird diese mit Fach- und Sachkundigen Investoren vertraulich diskutiert. Der Schuß muss sitzen. Eine Anhebung der Preisspanne beraubt die neuen Investoren der Chance, an einer Kurssteigerung nach dem IPO zu partizipieren.


2. Emissionsvolumen anheben durch Abgabe aus Altbeständen

Erhöht ein Emittent das Emissionsvolumen durch Umplatzierung im laufenden Prozess und nach einer Anhebung der Preisspanne dann sind neue Aktionäre gut beraten, die Finger von dem Wert zu lassen. Bei Facebook wurde das Emissionsvolumen dadurch erhöht, dass Altgesellschafter das erhöhte Preisniveau für so attraktiv hielten, das sie sich in großem Stil von dem Investment verabschiedeten. Wenn die Altgesellschafter sich so verhalten, glauben sie nicht an die weitere Kursentwicklung des Unternehmens und halten den Emissionspreis für einen Verkaufskurs und nicht für einen Kaufkurs. Hinzu kommt, dass durch die Umplatzierung kein frisches Geld in das Unternehmen kommt, welches zur Geschäftsentwicklung genutzt werden kann.


3. Schlechte und unvollständige Kommunikation

Es gab erhebliche Klagen über die Kommunikation von Facebook in der Vorbereitung der Emission. Hinzu kommen jüngst auch Vorwürfe, dass die Öffentlichkeit nicht einheitlich und umfassend informiert wurde. Für ein Kommunikationsunternehmen wie Facebook ist eine mangelhafte Kommunikation bei einem so wichtigem Schritt wie einem IPO ein Offenbarungseid. Kommt dann auch noch unvollständige und asymmetrische Information dazu, wird Facebook schnell im strafrechtlichen Bereich gelandet sein.

Bei Bergfürst werden wir die Preisspanne in einer laufenden Platzierung nicht anpassen. Eine Abgabe von Beständen aus Altbesitz wird es nicht geben. Die Altgesellschafter werden sich im Gegenteil verpflichten, ihre Aktien weiter gestaffelt über Jahre zu halten. Details dazu werden im Vorfeld offen gelegt. Mit Emissionsprospekt, Emissionsstudie und vor allem Online Management Präsentation kurz vor der Platzierung, bei der alle Zuschauer des Webcast auch live Fragen stellen können, liegen für alle alle Informationen auf dem Tisch. Zum Glück beherrschen wir das kleine 1x1, wenn es die Großen schon nicht können!

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