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Philipp Rösler und der Neue Markt 2.0

Dr. Guido Sandler 20.08.2013, 16:32

Es rauschte ordentlich im Blätterwald: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler möchte zehn Jahre nach seiner Schließung den Index Neuer Markt wiederbeleben. Handelsblatt.de, sueddeutsche.de, Spiegel Online oder wsj.de – alle berichten über diese Idee und äußern gleichzeitig auch ihre Skepsis gegenüber dem Vorstoß.

Auch heute zucken noch viele beim Begriff „Neuer Markt“ zusammen und erinnern sich an spektakuläre Kurseinbrüche, verzweifelte Kleinanleger und grinsende Manager in Learjets. Viel Vertrauen wurde damals zerstört und konnte bis heute noch nicht richtig wieder gewonnen werden.

Philipp Rösler verfolgt mit seinem Vorstoß ein gutes Ziel: Er möchte jungen Unternehmen in Deutschland eine Zukunft geben – die sie ohne finanzielle Ausstattung nicht haben.

Philipp Rösler

Foto: offizielles Pressefoto FDP

Fakt ist: Immer noch geht viel zu vielen jungen Unternehmen in Deutschland nach dem Start die Luft aus, weil sie nicht an die finanziellen Mittel kommen, die sie für ihr weiteres Wachstums benötigen. Stillstand bedeutet Niedergang – da kann ein Unternehmen im Kern noch so erfolgreich und brilliant sein.

Philipp Rösler sieht in der Wiederbelebung des Neuen Marktes die Chance, den Finanzknoten für diese Unternehmen lösen zu können. Sie sollen über einen Börsengang an neues Geld kommen. Gleichzeitig betont der Wirtschaftsminister, dass er dafür keinesfalls die Regulierungen lockern will. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums Martin Kotthaus führt auf focus.de dazu weiter aus, dass die Interessen der Startups und die regulatorischen Anforderungen sauber abgewogen werden müssen.

Soweit so gut, doch Philipp Rösler arbeitet am zweiten Schritt vor dem ersten. BERGFÜRST peilt bei den Emissionen eine Kapitalsumme von 2 bis 5 sicher bald auch bis zu 10 Mio Euro an. Das ist aus unserer Sicht das Volumen, das junge Wachstumsunternehmen für eine Phase der Markterschließung und Marktdurchdringung benötigen. Ein Börsengang, der eine Kapitalerhöhung in dieser Größenordnung anstrebt, würde spätestens im Sekundärmarkt scheitern, da alle Regionalbörsen ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und so Angebot und Nachfrage ineffizient zersplittern. Die kleinsten Emissionen am Neuen Markt bewegten sich im Bereich von 10 Mio Euro und stießen genau auf diese Schwierigkeit: An den einzelnen Regionalbörsen kam es zu Liquiditätsproblemen. Momentan gibt es in Deutschland schlicht zu wenig Wachstumsunternehmen in einer Größe, die nicht zu diesen Liquiditätsschwierigkeiten führen würde. Philipp Rösler muss sich im ersten Schritt der Unterstützung junger Wachstumsunternehmen widmen, damit ein Neuer Markt 2.0 überhaupt Sinn macht.

BERGFÜRST ist nicht der Neue Markt und BERGFÜRST ist bestimmt nicht der Neue Markt 2.0 – dennoch haben wir uns bei unserer Unternehmensgründung mit den Fragen der aktuellen Diskussion rund um Röslers Vorstoß beschäftigt: Wie kann man jungen Unternehmen bei der schwierigen zweiten Wachstumsrunde zu Kapital verhelfen? Wie haucht man dem Marktsegment Risikokapital wieder neues Leben ein? Wie kann man dabei den Unternehmen und auch den Investoren ein faires Angebot machen?

Die Antworten auf diese Fragen findet man in unserem Geschäftsmodell bzw. in den dort manifestierten Richtlinien:

Keine Umplatzierung: BERGFÜRST führt ausschließlich Kapitalerhöhungen durch. Im Rahmen der Erstemission wird es keine Umplatzierung von Aktien der Altgesellschafter geben, die damit schon mal Kasse machen würden.

Haltefristen für Management und Altgesellschafter: Bei BERGFÜRST wird das aufgenommene Kapital für die Erfüllung des Businessplans eingesetzt. Deshalb gelten bei jeder Emission bei uns strenge Haltefristen, sogenannte Lock-up-Fristen für den Zeitraum des vorgestellten Businessplans, also drei Jahre. Während dieser Zeit darf das Management-Team keine Aktien veräußern. Die Finanzinvestoren aus der Frühphase akzeptieren einen gestaffelten Lock-up. Aus diesem Kreis kommen i.d.R. die Aufsichtsräte. Damit schaffen wir Interessenkongruenz zwischen Altgesellschaftern und neuen Aktionären: Alle arbeiten auf das Ziel der erfolgreichen Umsetzung des Businessplans hin und die Organe kommen auch erst im Erfolgsfall in den Genuss der Früchte des Erfolgs. Keine Umplatzierung und Lock-up führt dazu, dass das Management der Emittenten an einer nachhaltig ökonomischen Entwicklung des Unternehmens interessiert ist. Anders als im Neuen Markt wird es kein „hit and run“ geben. Die Einhaltung der Haltvereinbarungen stellen wir dadurch sicher, dass wir das Aktienregister führen.

Wir begrüßen die aktuelle Debatte um die neuen Wege zur Aufnahme von Wachstumskapital sehr und hoffen, dass sie über die anstehenden Bundestagswahlen hinaus trägt. Wir hoffen auch, dass alle Akteure die richtige Schlüsse aus dem Niedergang des Neuen Marktes ziehen und ernsthaft an der Vermeidung der alten Fehler arbeiten. Wir gehen gerne mit gutem Beispiel voran.

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