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Wie Bergfürst entstand

D. Bemmann und G. Sandler 03.05.2012, 10:00

Guido Sandler, CEO:

Angefangen hat alles mit einem Pornofilm. Einem Pornofilm, den ich übrigens nie gesehen habe.

Ich saß im Oktober letzten Jahres im ICE von Berlin nach Hamburg. Zunächst habe ich einfach nur die Landschaft an mir vorüberziehen lassen. Zugfahren ist ein wunderbar dynamischer Prozess: Es entspannt. Man kann loslassen von allen Dingen des Alltags, die einen ständig davon abhalten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Gedanken befreien sich. Man öffnet sich.

Nach einer Weile nahm ich mir das Handelsblatt zur Hand, und da stand er. Der Artikel, der mein Berufsleben schlagartig in eine ganz andere Richtung katapultierte. Oder auch in die Richtung, aus der ich mal gekommen war. Auf jeden Fall in die richtige Richtung.

Der Artikel handelte von dem Filmprojekt „Hotel Desire“, beziehungsweise seiner Finanzierung. Manche Artikel wehen an einem vorüber und alles gleitet ab. Andere Artikel wirken auf Auge und Gehirn wie ein Sog. Einfach unwiderstehlich.

Der Porno-Artikel war so einer. Unwiderstehlich. In dem Artikel war zu lesen, dass der Film „Hotel Desire“ über Crowdfunding finanziert worden war. Engagierte Filmemacher wollten ihr Projekt unbedingt umsetzten und boten so über das Web an, dass man Geld einzahlt und im Gegenzug eine Kopie des fertigen Produktes erhält. In kurzer Zeit ist so das Geld zusammen gekommen. Sex sells!

Nachdem ich mir dieses Projekt kurz vor Augen geführt hatte und mir noch einen tiefen Schluck an vorüberziehenden Landschaften gegönnt hatte, schossen mir viele Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Warum müssen Unternehmen, die originär ganz andere Ziele verfolgen – nackte Tatsachen beispielsweise – sich jetzt als Profis der Kapitalbeschaffung gerieren? Und: wie viel mehr an Kapital kann bereit gestellt werden, wenn man so etwas professionell steuert? Und: gleichzeitig viele daran gewinnen?



Da müsste doch sofort eine Plattform geschaffen werden, die diese Aufgabe professionell übernimmt und die nötige Infrastruktur bereitstellt. Genug Erfahrung in dem Geschäft der Eigenkapitalbeschaffung hatte ich ja in meiner Berliner Effektenbank gesammelt.

Jetzt ging alles ganz schnell. In den folgenden Tagen und Wochen schraubte ich mich in das Thema immer tiefer rein und stellte fest, dass sich aus dem Crowdfunding, was eher kulturelle und künstlerische Projekte umfasst, bereits eine junge Crowdinvesting-Szene, die sich um Unternehmensfinanzierung kümmert, entwickelt hatte.

Ich meldete mich bei dem co:funding Workshop in Leipzig Ende November 2011 an. Nach dem Workshop war mir klar: Die Plattform muss her. Sofort. Mit dem richtigen Partner.


Dennis Bemmann, CTO:

„Ein Kumpel von mir hat eine Geschäftsidee und will mal Deine Meinung hören“ hatte Marcus gesagt. Nach meiner Zeit als studiVZ-Gründer war ich irgendwie in die Business-Angel-Welt hereingerutscht und hatte mich an einer Menge Startups beteiligt. Dadurch habe ich in den letzten Jahren ziemlich viele Geschäftsideen gehört. Noch mehr mussten eigentlich nicht sein... aber weil Marcus ein Freund ist, den ich sehr schätze, traf ich mich halt mit diesem Guido auf eine Pizza.

Als der mir von seiner Idee erzählte, wurde mir sehr schnell klar, dass es eine von diesen seltenen, ganz großen Ideen ist. Genau das, was die Welt braucht. Nicht leicht umzusetzen, aber im Kern doch so einfach, dass man sich sofort fragt, warum es so etwas nicht schon längst gibt.

Vielleicht deshalb, weil Banker und Informatiker zu selten gemeinsam Pizza essen gehen. Jedenfalls sprudelten unsere Ideen, die ja aus zwei völlig verschiedenen Welten kommen, und fügten sich wie ein Puzzle beinahe von selbst zusammen zu einer faszinierenden gemeinsamen Vision.

Neuemissionen per Internet und eine eigene Aktienhandelsplattform unabhängig von der Börse... ich wäre nie drauf gekommen, dass so etwas überhaupt finanzrechtlich möglich ist. Aber wenn so etwas geht, dann ist mir auch sofort sonnenklar, wie man es im Internet umsetzen muss und wie so eine Plattform auszusehen hat.

Social Media mache ich nun schon eine Weile (mein erstes soziales Netzwerk entwickelte ich vor 12 Jahren, um mit meinen Jugend-forscht-Freunden in Kontakt zu bleiben). Bei studiVZ habe ich gelernt, was Menschen in der Masse motiviert und mobilisiert. Und welche Funktionen sie brauchen, um richtig aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu bewegen. Aber auch, wie man die technische Infrastruktur baut, um all dies zu ermöglichen. Nachdem ich die letzten paar Jahre als Investor unterwegs war, folgt der nächste Schritt ja schon beinahe als logische Konsequenz: die Crowd der privaten Investoren vernetzen und mit Wachstumsunternehmen zusammenbringen.

Ich selbst war zwar als Business Angel durchaus erfolgreich, allerdings habe ich auch gemerkt, dass der Job mir keinen Spaß macht. Vertragsverhandlungen und Due Diligence sind echt langweilig. Ich brauche die unternehmerische, aber auch die technische Herausforderung, etwas Eigenes zu machen. Mir war klar, dass ich wieder eine Firma gründen würde. So schnell hatte ich das freilich nicht geplant... aber die Bergfürst Vision war zu faszinierend, um ihr zu widerstehen. Guido und ich trafen uns noch ein einziges weiteres Mal – dann stand für uns fest: Wir machen das gemeinsam.

Guido Sandler und Dennis Bemmann: Am 6. Dezember 2011 gründeten wir die e-crowd Finance AG. Zunächst fand das in Potsdam statt, da Berlin nicht bereit war, den Namen des Unternehmens ins Handelsregister einzutragen. Das muss man nicht verstehen. Mittlerweile haben wir einfach den Firmensitz nach Berlin verlegt. Auf diese Weise ging‘s.


Was ist das Weiterführende und Neue an Bergfürst?

Der Plan ist, das bestehende Crowdinvesting-Angebot weiter zu professionalisieren und deutlich zu erweitern. Das heißt zum einen, dass wir nur Eigenkapital in Form von Aktien zur Platzierung anbieten. Danach – und dass ist ebenfalls ein ganz neues Konzept – ermöglichen wir im Anschluss an die Platzierung auch den Handel der Aktien. Schon vor dem Börsengang.
Darüber hinaus wird Bergfürst die Unternehmen und die Investoren dauerhaft und nachhaltig begleiten, um den Dialog und den Informationsfluss zwischen den beiden Parteien zu gewährleisten und fruchtbar zu machen.

Absolut faszinierend finden wir die Möglichkeit, bei Bergfürst Unternehmen und Investor direkt zu verbinden. Früher geschah dies sehr indirekt über Research Report, Anlageempfehlungen und Presse. Bei Bergfürst kann jeder Investor an der Managementpräsentation über die modernen Medien teilnehmen. Sich eine eigene Meinung aus eigener Anschauung bilden und dann selbstbestimmt und erwachsen entscheiden. Denn am Ende sind es doch Menschen, in die wir investieren: Verkörpert das Management-Team die Idee? Brennen die Beteiligten für das, was sie tun? Traue ich ihnen zu, die Idee zum Erfolg zu führen?

Wenn der private Investor diese Fragen für sich beantwortet hat und das Konzept bejaht, kann er selbst über sein Handeln entscheiden. Wer selbst Geld verdient kann auch selbst entscheiden, was er damit macht. Private Investoren brauchen für diese Entscheidungen keine Bankberater, die ihnen sagen, welches Unternehmen gut oder schlecht für sie ist. Mit Bergfürst bauen wir eine Plattform ohne Kompromisse. Selbstbestimmt und dynamisch. Deshalb hat Bergfürst in der Konsequenz eine Lizenz als Finanzdienstleister bei der BaFin beantragt, die der Plattform den Freiraum gibt, Aktien zur Platzierung anzubieten und diese im Anschluss zu handeln. Ein kostspieliges und sehr aufwendiges Verfahren, dass nicht zuletzt auch die laufende Überwachung unseres Unternehmens beinhaltet. Private Investoren haben dadurch die Gewissheit, dass wir die höchsten Standards einhalten und ein vertrauenswürdiger Partner im sensiblen Geschäft der Kapitalanlage sind.


Ausblick

So schnell, wie sich die Bergfürst Idee manifestiert hat, so schnell hat sich ein hochkarätiges Team gefunden. Ganz so, wie man es eben nur für eine erstklassige Geschäftsidee gewinnen kann.

Mit Hochdruck arbeiten wir am Unternehmensaufbau. Mit dem Soft Launch ist jetzt auch der Startschuss gegeben, private Investoren als registrierte Nutzer auf unserer Plattform zu gewinnen. Parallel dazu akquirieren wir die ersten Unternehmen, die Eigenkapital über Bergfürst platzieren wollen. Unser Ziel ist es, im 4. Quartal diesen Jahres die ersten Platzierungen durchzuführen. Jeden Tag erwarten uns neue Herausforderungen und Fragestellungen. Es macht uns einen unbändigen Spass, unser Projekt umzusetzen, und ein jeder im Team sieht jeden Tag, was er da geschaffen hat. Begleiten Sie uns dabei während der nächsten Monate in diesem Blog!

Wenn alles läuft und wir wieder Luft holen können, leihen wir ihn uns aus. Den Film.

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2 Kommentare

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Gelöschter Investor

30.05.2012, 17:03

hochgradig spannend! klingt nach einem vielversprechenden geschäftsmodell! :)

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Felix Panter

16.05.2012, 14:39

Sehr, sehr spannend. Viva la Revolution.

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